Wasser

Uraufführung, Eigenproduktion Theater Drachengasse
Theater Drachengasse
16. Jänner – 11. Februar 2017
Di-Sa um 20 Uhr




















- Hören Sie!
- Ja, ich höre Sie.
- Das weiß ich doch!
- Warum fragen Sie dann?

- Mein Gott, das war keine Frage! Hören Sie mir endlich zu!

 

Zwei Menschen. Über ihnen kein Himmel. Zwischen ihnen eine Waschmaschine. Einer der beiden steckt den Kopf in die Maschine und hofft so, im Inneren eine Lösung zu finden. Lösung wofür? Dafür, dass sie nicht wissen, wie sie von hier wegkommen, aber auch nicht, wie sie hierhergekommen sind. Dafür, dass einer eine Retourkutsche schickt und der andere sich Hoffnung macht, mit dieser Kutsche endlich hier rauszukommen. Dafür, dass sie kein Wasser haben, aber auch nicht wissen, ob sie es zum Überleben brauchen.

Oder brauchen sie zum Überleben etwas ganz anderes? Als ein Mensch einmal ungehalten ist, umarmt und hält ihn der andere. Nur logisch findet er das. Weniger logisch findet er, dass der nun behauptet, ihn zu lieben. Wo sie nicht einmal per Du sind. Seine Antwort: Ich liebe du.

Trailer

Tonaufnahme mp3
 

Regie: Karin Koller
Regieassistenz: Lisa Niederwimmer
Bühne, Kostüm: Patrick Bannwart
Ausstattungsassistenz: Larissa Kramarek
Musik: Gilbert Handler
Technische Beratung: Christoph Veigl
Es spielen: Florentin Groll, Heinz Weixelbraun

Rechte bei Kateřina Černá

„Wasser“ entstand im Rahmen des Förderprogramms FORUM Text von uniT Graz.
 

Warten auf die Waschmaschine

Wasser gibt es keines, obschon das Stück doch "Wasser" heißt. Bei der Uraufführung von Kateřina Černás Text im Theater Drachengasse staubt es dafür sehr. Patrick Bannwart hat einen verdreckten und verlassenen Waschsalon auf die Bühne gebaut. Der Kaffeeautomat gibt Waschpulver her, obschon es doch kein Wasser gibt, um die das Setting dominierende Waschmaschine in Betrieb zu nehmen. Und so wird das, was fehlt zum Thema derjenigen die in beckettscher Verlassenheit und Komödianterie sich ebendort die Zeit vertreiben.

Sprache beim Wort nehmen

Die beiden Schauspieler Florentin Groll und Heinz Weixelbraun unterscheiden sich nicht von ihrer Umgebung, stecken in ebenso verdreckt, heruntergekommenen Klamotten. Die Neonröhren über ihren Köpfen korrespondieren in ihrem Geflimmer mit der Konversation. Es scheint, der Raum und die Personen haben längst schon eine Einheit gebildet. Regisseurin Karin Koller inszeniert im Hinblick auf die Rhythmisierung und also Pointisierung der absurden Dialoge. Alles eine runde Sache geworden.

Die Autorin Černá, die für "Wasser" das Arbeitsstipendium des Bundeskanzleramtes erhielt, hat ein großes Interesse am Wortwörtlich-Nehmen der Sprache. Da fragt sich einer, wo denn die Kutsche bliebe, von der der andere als Retourkutsche gesprochen hat. Interessant ist auch die Verschiebung und also Zusammenführung der Begriffe Wasser und Mutter über das englische water. Verdreckt und verlassen warten zwei auf Liebe und Gott, den Gott, der in der Waschmaschine wohnt.

Wiener Zeitung, 17.1.2017


Uraufführung von Katerina Cernás Stück "Wasser" mit Florentin Groll und Heinz Weixelbraun Wien – Menschen wollte Katerina Cerná zeigen. Deshalb hat sie ihre Figuren einfach "Mensch 1" und "Mensch 2" genannt und alles weitere an ihnen unbelassen. Im Theater Drachengasse sind Florentin Groll und Heinz Weixelbraun diese beiden. Wasser heißt das Stück. Aber ebenjenes fehlt, aus den Leitungen summt es nur. Sauber sind daher die Fetzen, die die beiden zusammenlegen, nicht. Der eine mit zärtlich zu nennender Ruhe, der andere überfordert und zunehmend hektisch. "Was machen wir hier?", fragt er in das kalte Flackern der Neonröhren hinein den Nebenmann. Der wiederum versteht alle Sprachbilder allzu wörtlich: Ist Groll "ungehalten", nimmt Weixelbraun ihn in den Arm. So geraten sie aneinander. Und zueinander. - derstandard.at/2000050899352/Theater-Drachengasse-Warten-auf-WasserUraufführung von Katerina Cernás Stück "Wasser" mit Florentin Groll und Heinz Weixelbraun Wien – Menschen wollte Katerina Cerná zeigen. Deshalb hat sie ihre Figuren einfach "Mensch 1" und "Mensch 2" genannt und alles weitere an ihnen unbelassen. Im Theater Drachengasse sind Florentin Groll und Heinz Weixelbraun diese beiden. Wasser heißt das Stück. Aber ebenjenes fehlt, aus den Leitungen summt es nur. Sauber sind daher die Fetzen, die die beiden zusammenlegen, nicht. Der eine mit zärtlich zu nennender Ruhe, der andere überfordert und zunehmend hektisch. "Was machen wir hier?", fragt er in das kalte Flackern der Neonröhren hinein den Nebenmann. Der wiederum versteht alle Sprachbilder allzu wörtlich: Ist Groll "ungehalten", nimmt Weixelbraun ihn in den Arm. So geraten sie aneinander. Und zueinander. - derstandard.at/2000050899352/Theater-Drachengasse-Warten-auf-Wasser

Theater Drachengasse: Warten auf Wasser

Uraufführung von Katerina Cernás Stück "Wasser" mit Florentin Groll und Heinz Weixelbraun Wien

Menschen wollte Katerina Cerná zeigen. Deshalb hat sie ihre Figuren einfach "Mensch 1" und "Mensch 2" genannt und alles weitere an ihnen unbelassen. Im Theater Drachengasse sind Florentin Groll und Heinz Weixelbraun diese beiden. Wasser heißt das Stück. Aber ebenjenes fehlt, aus den Leitungen summt es nur.

Sauber sind daher die Fetzen, die die beiden zusammenlegen, nicht. Der eine mit zärtlich zu nennender Ruhe, der andere überfordert und zunehmend hektisch. "Was machen wir hier?", fragt er in das kalte Flackern der Neonröhren hinein den Nebenmann. Der wiederum versteht alle Sprachbilder allzu wörtlich: Ist Groll "ungehalten", nimmt Weixelbraun ihn in den Arm. So geraten sie aneinander. Und zueinander.

Das Schöne an einer Sesselreihe, wie dieser verdreckten weißen aus dem billigen Plastik, auf der die beiden sitzen, ist ja, dass man dem anderen alzerlweise näherrücken und wieder Abstand nehmen kann (Regie: Karin Koller). Treffpunkte bieten ebenso Gespräche über die "Matter" und das Glücklichsein. Und die Reparatur einer defekten Waschmaschine.

Herrlich absurde Momente, grundiert von einer Suche nach Kontakt, gelingen dem Darstellerduo dabei. Vor allem Weixelbraun weckt mit seiner verhuscht-verschlagenen Sprechweise Interesse inmitten der tollen bleichen Kulisse von Patrick Bannwart. Warum auch immer gibt es aus ihr – natürlich! – kein Entkommen. So wird die Klaviatur der theatralen Tradition des Absurden bravourös bespielt: eine zeitlose Zeit, ein ortloser Ort, eine Handlung ohne Geschichte, dafür plötzliche Themensprünge, feine Körperkomik, Sprachlust und -verwirrung bis hin zum Kleinkrieg zweier Lautdichter.

Einziger Wermutstropfen der mit viel Gelächter gefeierten Uraufführung: Sie erinnert an ein über eineinviertel Stunden – zwar kurzweilig und liebevoll – ausgestaltetes Schema. Ein Beckett-Bausatz.

Der Standard, 17.1.2017


URAUFFÜHRUNG
Purzelnder Wortschwall
Erfolgreiche Uraufführung von Kateřina Černá „Wasser“ im „Theater Drachengasse“.

Zwei aus der Zeit und jeglichem Zusammenhang gefallene Menschen sitzen ganz verloren in der von Patrick Bannwart eingerichteten Bühne, mit einer Waschmaschine als zentralem Requisit. Florentin Groll, der langjährige Burgschauspieler in Sakko und langer Untergatte will wissen: „Was machen wir hier?“ Der
Angesprochene, der aus Spital an der Drau gebürtige Heinz Weixelbraun, der einstmals als Serienheld „Kommissar Rex“ assistieren durfte, weiß keine Antwort auf die Frage.

Die aus Tschechien stammende Autorin Kateřina Černá greift in ihrem am Lehrgang „Forum Text“ von uniT Graz finalisiertem Stück eine dem absurdenTheater entlehnte Situation auf: Zwei Menschen befinden sich in einer für sie ganz neuen Situation und alles Mitgebrachte, Tradierte funktioniert nicht mehr. Kaum sagt Groll, er sei ungehalten und Weixelbraun umarmt ihn, ist’s auch schon wieder nicht recht. Regisseurin Karin Koller lässt den Sprachwitz und die Situationskomik zuspitzen. Groll und Weixelbraun nehmen diesen inszenatorischen Freiraum dankbar auf. Eine vielversprechende Jungautorin empfiehlt sich durch ihre eigene und die Arbeit des Leading Teams und der Darsteller für Weiteres.

Kleine Zeitung, 20.1.2017


Warten auf die wörtliche Retourkutsche

Im Mittelpunkt eine Waschmaschine. Und der Bühnenbildner Patrick Bannwart lässt´s aus ihr rauchen. Bei der Uraufführung von "Wasser" geschieht einiges konträr zur Funktionalität. Die Autorin Kateřina Černá, die hierfür das Arbeitsstipendium des Bundeskanzleramtes erhielt, klopft die Sprache auf ihre Wortwörtlichkeit ab und landet dabei oftmals beim bedeutungslosen Klang. Zwei Personen (Florentin Groll und Heinz Weixelbraun) warten in Beckett´scher Verlassenheit im Waschsalon. Sie reden über die Liebe, über ihre Mütter und darüber, ob denn diese Kutsche, von der als Retourkutsche die Rede gewesen war, nun endlich kommen würde. Regisseurin Karin Koller findet für Kateřina Černás absurde Dialoge mal stichelnde, mal zärtliche Haltungen. Am Ende gibt es Hochzeit. Dabei waren die beiden doch gerade noch per Sie.

Der Falter, 25.1.2017


Spielplan Januar 2022