Theater Drachengasse  Bar&Co
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DIE ANGSTMACHER
NACHWUCHS-THEATER-WETTBEWERB 2010 - DAS FINALE

Bar&Co
3. - 22. Mai 2010, Di-Sa um 20 Uhr

 

Grafik: Robert Köhler

 
Grafik: Robert Köhler  

Am Samstag, 22.5.2010, sind unsere "Angstmacher" ins Finale gegangen, mit folgendem
Ergebnis:

1.  der Gruppe XXXX Flaneurs

(Text/Regie: Dominic Oley, mit Franziska Hackl, Cora Jeannee, Elisa Seydel)


2. Jurypreis:
Ein unerwartetes Ergebnis:
Jedes Jurymitglied (Andreas Beck, Eva Hosemann, Isabella Suppanz)
hat sich für ein anderes Projekt entschieden.
Wir vergeben daher den Jurypreis ex aequo an:

1. "Flaneur of Fear"
2. "Einbau" von und mit Anne Frütel
3. "Flap and Fear" der Gruppe Imploding Fictions
(Text: Darren Lerigo,
Concept/Direction: Oystein Ulsberg Brager/Philip Thorne, Cast: Rowena
Hutson, Lauren McCullum).

 



 

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SHOWCASES 1 - 3 Da von vielen Gruppen der Wunsch geäußert wurde, ihr Projekt auf jeden Fall weiter-zuentwickeln, haben wir wieder Showcase-Termine eingerichtet, bei denen alle Gruppen, die Lust dazu haben, die Gelegenheit haben, ihr 20-Minuten-Projekt zu zeigen. 10 Gruppen haben sich angemeldet, jede Gruppe erhält die Möglichkeit, ihr Projekt zweimal zu zeigen. SHOWCASE 1: 7. und 8. Mai 2010 um 16 Uhr SHOWCASE 2: 14. und 15. Mai 2010 um 16 Uhr SHOWCASE 3: 21. und 22. Mai 2010 um 16 Uhr

RESUMEE „DIE ANGSTMACHER“ THEATER DRACHENGASSE Auch dieses Jahr hat unser Nachwuchswettbewerb großen Anklang gefunden. Insgesamt sind 79 Projektvorschläge eingelangt (im Vergleich: 2007 und 2008: je 73). 70% der Einreichenden sind ÖsterreicherInnen, die restlichen 30% kommen aus anderen Ländern, allen voran Deutschland (12%) und die Schweiz (5%), auch Italien und Großbritannien sind gut vertreten, weiters USA, Kroatien, Polen, Serbien, Ungarn, Rumänien, Türkei, Iran, Ägypten, Brasilien, Indonesien. Zwei Drittel der Einreichenden sind Frauen, ein Drittel Männer. Die Mehrzahl gehört zur Altersgruppe der 22- bis 30-jährigen, es gab aber auch einige ganz junge Teams (17-20) und einige ältere Quereinsteiger. Mit dem Thema ANGST haben wir offenbar einen Nerv getroffen. Weniger allerdings mit dem Thema ANGSTMACHER. Viele der Projekte beschäftigen sich mit dem Phänomen Angst an sich, das Wesen der Angst wird erforscht, brennend die Frage: wie gehe ich persönlich mit der Angst insgesamt um. Versagensangst vor Leistungsdruck (im beruflichen und sexuellen Bereich) spielt eine große Rolle, die Interdependenz von ganz privaten Angstgefühlen und von außen geschürter Angst wird thematisiert. Bei den Einreichungen zum Thema ANGSTMACHER stehen – wie nicht anders erwartet – die Medien im Vordergrund, gefolgt von der Pharmaindustrie. Erstaunlich wenige Projekte beschäftigen sich mit den politischen Aspekten des Angstmachens. Eines der interessantesten Konzepte stammt von Josephine Ehlert, die mit ihrem Team beim Vorjahreswettbewerb den Preis der Fachjury gewonnen hat. Eine zweite Teilnahme ist leider nicht möglich, wir haben ihr daher angeboten, ihr Projekt weiterzuentwickeln und in einer abendfüllenden Version in Bar&Co Drachengasse herauszubringen.

Über Angstmacher! Finale beim Nachwuchswettbewerb des Theaters in der Drachengasse: Von 79 Projektanträgen wurden fünf für das vorgeschriebene Thema „Die Angstmacher“ ausgewählt. Und beweisen inhaltliche und formale Zugänge der Projektgestalter zum Thema. Sie werden jetzt bis 22. Mai im Drachengasse-Raum Bar&Co gezeigt. Ein interessantes Spektrum der Dinge, die uns im Alltag Angst machen! Formal war man dabei allerdings von unterschiedlichem Einfallsreichtum. Für eine eindrucksvolle Szene mit witzigen Dialogen für drei Schauspielerinnen, in der neben Burgschauspielerin Elisa Seydel die ausgezeichnete junge Cora Jeannee und Franziska Hackl von der Gruppe XXXX Flaneurs sorgten. Da wurden schauspielerisch präzise Zeichnung, das Herausarbeiten der witzigen Dialoge, Pointiertheit, auch im Text und in der Regie von Dominic Oley vorgezeigt. „Bang! Bang! Ein Manifest“ von Magdalena Pichler & Irmgard Fuchs bot bloß eine Lesung. Im dritten „Beweisstück“ tobte sich der hochbegabte, martialische Eugen Fulterer als „Allrounder“ in der Arbeit „Baracks Wurschtfisch“ aus. Sein großer Glashausfisch hatte sich an einer Wurst zu Tode gefressen, ein zum Jesusbild verkitschter Barack Obama und eine auf dem Topf sitzende Babygruppe bilden den Hintergrund für Fulterers Angsttiraden. Surreale Ängste! Auf Englisch agierte die Theatre Group Imploding Fictions in „Flap & Fear“: Ladys unterhalten sich über ein Bild mit Tauben (Höhepunkt: Georg Kreislers Tauben-Song). „Einbau war das unterhaltsame Schlussstück, in dem Anne Frütel (Text, Regie, Bühne, Darstellerin) einen Ausflug ins politisch brisante Kabarett wagte. Ein verdienstvoller Wettbewerb, der einiges an Anleitung und Hilfestellung von versierten Theaterleitern brauchte. NEUE KRONENZEITUNG, 7.5.2010 Erfreuliche Talente Sieben Frauen und ein Mann betreten im Lauf des Abends die kleine Bühne im Theater Drachengasse, Raum Bar & Co. Sie präsentierten das Finale des Nachwuchs-Theater-Wettbewerbs, Thema "Die Angstmacher". Die meisten von ihnen sind schauspielerisch sehr gut ausgebildet, haben auch schon an großen Bühnen Erfahrungen gesammelt. Die fünf Kurzstücke sind unterschiedlich, nähern sich dem Thema von verschiedenen Seiten. Das reizvollste ist wohl "Flap an Fear", in dem zwei aufgeschreckte Täubchen (herrlich komödiantisch Rowena Hutson und Lauren McCullum), da sie der deutschen Sprache nicht mächtig sind, das Lied vom "Tauberln vergiften" gründlich missverstehen. "Flaneur of Fear" (darstellerisch facettenreiches Trio: Elisa Seydel, Franziska Hackl, Cora Jeannee) relativiert geschickt den Begriff des Bösen. Als sperrig erweist sich "Bang! Bang! Ein Manifest" und bedarf der hervorragenden Interpretin Susanna Kellermayr, um zu voller Wirkung zu kommen. Allzu einfach macht es sich der begabte Eugen Fulterer mit "Baracks Wurscht-fisch", eine Gratwanderung ist Anne Frütels "Einbau". 79 Projektvorschläge waren eingelangt, 70 Prozent aus Österreich, die übrigen 30 Prozent aus 15 weiteren Ländern. Man muss der Jugend eine Chance geben, dann zeigt sie, wie viel Kraft, Mut und Talent sie hat. Wiener Zeitung, 5.5.2010 Nachwuchs-Wettbewerb: Fürchtet Euch nicht! Von dem, was persönlich Angst macht, ist nicht die Rede – Vielmehr setzen sich die fünf Finalisten-Gruppen im Nachwuchswettbewerb der Drachengasse mit dem auseinander, wovor man sich laut Politik und Industrie zu Fürchten hat. „Die Angstmacher“ ist das diesjährige Thema – und die Angstmacher sind hier Überwachungsstaat und Terrorgesellschaft. Obwohl sich die Kurzstücke in ihrer künstlerischen Aufmachung sehr unterscheiden, haben sie doch einen gemeinsamen Nenner: Wir sind Eurer Angstmachpolitik und euren Angstmachparolen überdrüssig geworden. Der Monolog „Bang! Bang! Ein Manifest“ will das Fürchten lehren, in „Flaneur of Fear“ wird im Soap-Opera-Stil mit großen Worten politisiert, in „Baracks Wurschtfisch“ geilt sich der Held an Katastrophenmeldungen auf. „Flap and Fear“, der Dialog zweier Tauben von der britischen Gruppe Imploding Fictions, sticht heraus; er konzentriert sich als einziger aus einen individuelleren Aspekt der Angst, Angstmacher ist ein vierjähriges Mädchen. Anne Frütel bildet mit „Einbau“ den kabarettistischen Abschluss eines Abends, an dem es viel zu lachen und wenig zu fürchten gibt. Falter 19/2010

ANGST, FEAR, PEUR KRITIKEN DIE ANGSTMACHER Theater Drachengasse in Kooperation mit dem Institut für Theater- Film- und Medienwissenschaft Universität Wien HIGH SPEED – ANGST AUF SCHNELLER BASIS STÜCK: FLANEUR OF FEAR Kritik von Rotter Annika ”Wer untersucht eigentlich die Bösartigkeitsanteile auf Schmierkäsepackungen, die so aussehen wie FPÖ-Werbeplakate und CD-Cover?” Diese Frage stellen sich die Darsteller bei Flaneur of Fear. In einer Geschwindigkeit wie Pferde bei einem Pferderennen gehen die drei Personen Wendy, Wendy und Wendy mit einer packenden Dynamik auf alltägliche Themen der letzten Jahrzehnte ein; sie ”stellen einen politisch denkenden Reflex auf die Bühne und gegen die Angst.” Alle drei haben große Ängste, die sie besiegen müssen - sei es vor einer Vergewaltigung im schwerelosen Raum, einer Fälschung von Nike-Schuhen oder Problemen im Marketing. In dem Stück wird auch verdeutlicht, welche Stellung die Frau innehat, um ihre Träume zu verwirklichen. Wendy, die gerne eine Rolle in einem Film hätte, muss die körperlichen Berührungen ihres Chefs über sich ergehen lassen. Dabei fragt sie sich, wieviel Zeit dieser Mann zum Unterschreiben eines Vertrages benötigt, wenn er seine Hände auf ihrem Hintern ruhen läßt. Frauen haben in solchen Situationen wenig Mut. Für all das Erlebte haben sie die alleinige Verantwortung zu tragen – sie sind ihres Glückes eigener Schmied. Durch die Schnelllebigkeit und Dynamik im Stück werden auch auf das Publikum Angstzustände projiziert. Es ist nicht einfach, das Gehörte so schnell zu verarbeiten, bevor schon der nächste Satz gesprochen ist. So sitzten die Zuschauer angespannt und konzentriert auf ihren Plätzen, in der Hoffnung, keine Pointe zu verpassen. Und falls dies doch einmal der Fall sein sollte, lacht man einfach mit den anderen mit. Anstzustände findet man aber nicht nur in alltäglichen Situationen. Auch die große Langeweile zieht diese mit sich. Wir wollen gar keine Langeweile haben, denn sie erfüllt nicht unser Leben. Was wir brauchen, ja wonach wir streben, das ist Angst. Wir sehnen uns nach Problemen und Ängsten. Sie geben unserem Leben eine Aufgabe, einen gewissen Kick. Wir alle sitzen in einem Boot. Trotzdem sind wir nur um unser eigenes Wohl besorgt und versuchen, uns alleine durch die Welt zu schlagen. Wir könnten auch nur mit einer Hälfte des Bootes weiterfahren, denn die linke Hälfte wird ja nicht benötigt: Das ist auch eine politische Anspielung, zu extremes Denken wird nicht geduldet. Flaneur of Fear - von Anfang bis zum Schluss ein tolles, lebendiges Stück, das ich auf alle Fälle empfehlen kann. BANAL, BRUTAL, EGAL Stück: BARACKS WURSCHTFISCH Kritik von Iris Ehrenreich „Baracks Wurschtfisch“, ein Stück so voller Gier, Geiz und Hass auf die Welt, sowie auf alles was keucht und fleucht fand sich inmitten eines Gefüges von Stimmungsmachern und irrwitzigen Illusionsfängern. Hervorstechend war es dadurch allemal, doch welches Publikum mag sich schon mit der trostlosen, völlig verkommenen Welt und einer selbstverherrlichenden und zugleich voller Selbstkritik beladenen Figur auseinandersetzen? Generell war an diesem Abend bei den Zuschauern eine Tendenz zu den komödiantischen Stücken zu erkennen, welche den ernsten Beiträgen die Schärfe aus den Klingen nahm. Schade eigentlich, denn die brutale Konfrontierung mit der sozial verankerten Ignoranz, oder schlimmer noch das „Aufgeilen an den Perversionen des Menschen“, sind sicherlich Themen, die wenn auch nicht angenehm, dennoch ein zentrales Problem der Gesellschaft, wenn auch hier stark verschärft, darstellen. Eugen Fulterer, Alleinschaffer des Stückes „Baracks Wurschtfisch“, führt dem Publikum seine tiefen, dunklen Seiten ganz ohne den geblümten Rahmen vor und wenn auch keiner der Zuschauer sich direkt angesprochen fühlen muss, so kann man bei einer Auseinandersetzung mit dem Stück doch einen deprimierenden Identifikationsprozess starten. Am Thema Angst(macher) ist diese Performance allerdings leider vorbei gezogen, ohne auf sie als zentrales Problem zu sprechen zu kommen. Zwar wurden zahlreiche Begriffe, die unsere heutige Gesellschaft mit Furcht verbindet erwähnt, doch was übrig bleibt ist der Ekel, allerdings nicht als Auslöser der Angst, sondern als nachhaltiges Gefühl des Widerlichen. Dafür verstand sich der Darsteller aber sehr gut darauf, genau diese Emotionen zu provozieren und aufrecht zu erhalten. Nicht nur mit seinen Requisiten, die unter anderem aus einem wohl echten Fisch, und einem zu echt für leicht erregbare Menschen wirkenden Töpfchen mit Fäkalien bestanden, sondern auch mit Aussagen wie „Wie weit ist es mit mir gekommen, dass ich schon Scheiße fresse“, schockt er sein Publikum. Dabei kommt das Thema der Gier nicht zu Kurz, denn der Bogen zum „krepierten“ Fisch, der sich zu viel vom Leben gönnte schließt sich und umrahmt die Handlung als plakativer Hinweis auf die Banalität des Einzelnen. Anknüpfungen an mehr oder weniger aktuelle Themen, die die Menschheit „bewegen“ gibt es auch bei dieser Performance, die sich aber zum Teil in Zynismus verliert. Doch wenn es genau das ist, was der Protagonist ansprechen will, nämlich, dass eine Veränderung der Welt gar nicht erwünscht ist, sondern eine Verbesserung der Tatsachen bloß ein Hindernis wäre um weiterhin der Umwelt bissig gegenüber zu stehen, dann hat er dieses Ziel mit Bravour erreicht. Was aber seine wirkliche Absicht hinter dem Stück war, ist zumindest mir nicht ganz aufgegangen. ÜBER STATISTIKEN, DIE BIENE MAJA UND SCHUTZENGEL STÜCK: EINBAU Kritik von Magdalena Brugger „Ich hoffe, dass ich Ihnen heute Angst einjagen kann.“ Nach dem ersten Lied, bei dem sich Anne Frütel selbst auf einer Ziehharmonika in Miniaturformat begleitet, merkt der Zuschauer, dass dieses Vorhaben wohl ziemlich schwierig werden könnte. Die 32-jährige Regisseurin, Schauspielerin und Autorin geht mit viel Ironie und Sarkasmus auf Ängste und Sorgen der Europäer ein, indem sie Statistiken analysiert und auf brilliante Weise miteinander kombiniert. Sie erklärt, warum sie in Kairo Turnschuhe trug als der Papst in Regensburg eine Rede hielt. Sie zeigt auf, warum man in der eigenen Wohnung Überwachungskameras anbringen sollte. Sie erläutert, warum ein stierender Stör ein geeigneteres Requisit ist als ein störender Stier. Doch das Stück „Einbau“ will nicht nur unterhalten. Es will zum Nachdenken anregen. So singt Anne Frütel Karel Gott’s „Biene Maja“ und ersetzt „Maja“ mit dem Begriff „Nazi“. Das Hitler- Regime ist der Inbegriff von Angst und Schrecken und passt daher gut zur Thematik. Ob Frütel’s leichtfertiger Kommentar dazu „Jaja, die Hitler- Sache“ ebenso passend ist, sei dahingestellt. Dann berichtet Frütel von Eltern, die ihren Kindern Dolce und Gabbana- Klamotten kaufen, damit diese nicht ausgegrenzt werden und das Gefühl haben, „dazu zu gehören“. Ein weiterer - diesmal geglückter - Verweis auf den Nationalsozialismus, wenn man bedenkt, dass es Hugo Boss war, der die Uniformen der SS herstellte. Die ernsten und tiefsinnigen Themen, die angeschnitten werden, werden von der Darstellerin auf so witzige und groteske Weise vermittelt, dass der Zuschauer erst bei genauerem Hinhören und -sehen die kritische Aussage dahinter bemerkt. Die „Zehn kleinen Negerlein“ sterben bei Frütel alle bereits in der ersten Strophe, da sie in einem untergehenden Boot sitzen. Das friedvolle Europa, in das das Böse eindringen will, wird von Schutzengeln beschützt. Nur, dass das Böse Einwanderer und die Schutzengel Militärhubschrauber sind. „Einbau“ ist eine perfekte Mischung aus Humor und Ernsthaftigkeit und bringt den Zuschauer gleichzeitig zum Lachen und zum Nachdenken. Anne Frütel beweist nicht nur schauspielerisches und gesangliches Talent, sondern liefert auch eine großartige Kabarett-Show. Ihr Vorhaben, dem Publikum Angst einzujagen, gelingt Anne Frütel zwar nicht, aber dafür gelingt ihr eine großartige Aufführung. VOM WOLLEN UND FÜRCHTEN UND FÜRCHTEN VORM WOLLEN Stück: BANG! BANG! EIN MANIFEST Kritik von Iris Ehrenreich Wie der Titel des Stückes schon sagt, handelt es sich um ein Manifest, wodurch es sich schon deutlich von seinen Mitbewerbern abhebt. Das Thema Angst wird hier nicht nur angeschnitten sondern gleich auf die „harte Tour“ thematisiert. Der vorgetragene Text lässt dabei nichts aus. Von Angstmachern und Paniktriaden, die wir alle aus den Medien kennen, bis über die alltäglichen Ängste eines jeden Menschen und die klassischen Symptome von Angst kann man hier alles finden. Ob es dann aber wirklich gruselig wird und die Audienz um ihr Leben bangt, ist wohl Sache jedes einzelnen. Auf jeden Fall aber schafft es die Leserin Susanna Kellermayr, mit ihrer direkten Art vorzutragen und den geheimnisvollen Blicken ins Publikum eine unangenehme Stimmung zu erzeugen, die aber keineswegs fehl am Platz ist, sondern sich exzellent ins Thema einfügt. Nicht zuletzt ist in diesem Zusammenhang der Abschnitt zu erwähnen, in dem sie direkte Fragen ins Publikum stell, sei es auch nur rhetorisch – der Effekt bleibt auf jeden Fall nicht aus. „Erst was Angst macht, ist von Bedeutung“, so heißt es im Text und genau, dass ist es auch, was die Truppe, bestehend aus 3 jungen Damen, verdeutlichen will. Die Angst in unserer Kultur wird speziell für uns geschaffen und genau das genießen wir so an ihr. Wir brauchen den Nervenkitzel, aber nur mit der Sicherheit, dass uns auch nichts dabei passieren kann. Dieser Komplex, dieses Pradoxon wir ausgekostet bis aufs Letzte ohne Rücksicht auf Verluste. Ob diese Art des Vortragens, als Lesung nämlich, auch das Publikum überzeugt und erreicht bleibt fragwürdig. Die Gliederung in die einzelnen Punkte hat sicherlich das Verständnis für den Text vereinfacht, doch schien es von Beginn an keine klare Angelegenheit zu sein, wie nun der Vortrag in weiterer Folge verlaufen würde. Auf jeden Fall wurde den Zuschauern eine interessante Darbietung geliefert, deren Inhalte man sich in einer stillen Minute einmal zu Gemüt führen sollte, denn gerade durch die ernste Atmosphäre wird deutlich, dass die gewählte Thematik keineswegs aus der Luft gegriffen ist. Zu hoffen bleibt nur, dass Publikum sowie Jury die Andersartigkeit des Schaffens der Autorengruppe berücksichtigt und dadurch seine Einzigartigkeit erkennt, anstelle das Werk unter den anderen Beiträgen gerade deswegen untergehen zu lassen.

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