Theater Drachengasse  Bar&Co
AKTUELLE PRODUKTIONEN


SCHÖNE KÖRPER
Nachwuchs-Theater-Wettbewerb

Bar&Co
4. - 23. Mai 2009, Di-Sa um 20 Uhr

 

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Auch dieses Jahr hat unser Newcomer Wettbewerb großen Anklang gefunden. 73 Projektanträge sind eingelangt – exakt gleich viele wie für den Vorjahreswettbewerb.



Die Auswahl fiel auf vier Projekte, deren Zugang zum Wettbewerbsthema „Schöne Körper“ uns besonders spannend erschien. Inhaltlich beschäftigen sie sich mit dem Kampf um die Vorherrschaft in der Gesellschaft, dem Körper in der Technokultur, dem verschleierten Körper und dem Thema Anorexie.



Die vier FinalistInnen präsentieren ihre 20-Minuten-Projekte ab 4. Mai 2009 in einer dreiwöchigen Spielserie.



Heuer werden zwei Preise zu je € 1000 vergeben:

- der Publikumspreis, den die Zuschauer durch Abstimmung vergeben – jede Eintrittskarte berechtigt zur Abgabe einer Stimme.

- der Jurypreis, der von einer Fachjury, bestehend aus Bettina Hagen (Falter), Ronald Pohl (Der Standard), Caro Wiesauer (Kurier), Emmy Werner und Beate Wimmer-Puchinger (Wiener Frauengesundheitsbeauftragte), vergeben wird.

Die Bekanntgabe der Preisträger erfolgt am 23. Mai 2009 im Anschluss an die letzte Vorstellung.



Da von vielen Gruppen der Wunsch geäußert wurde, ihr Projekt auf jeden Fall weiterzuentwickeln, gibt es außerdem an zwei Samstagen ein Showcase, in dem alle Gruppen, die Lust dazu haben, die Gelegenheit haben, ihr 20-Minuten-Projekt zu zeigen. Genaue Termine und Projekte finden Sie unter AKTUELLE PRODUKTIONEN - Showcase und unter SPIELPLAN.







RESÜMEE



Die Auswahl der FinalistInnen war wegen der großen Anzahl an interessanten Konzepten besonders schwierig. In einem zweistufigen Auswahlverfahren hat sich die Drachengasse-Jury, bestehend aus Johanna Franz, Eva Langheiter, Beate Platzgummer und Katrin Schurich, daher für insgesamt sechs Projekte (statt wie vorgesehen 3) entschieden.



Vier werden ihre 20-Minuten-Beiträge im Finale von 4. bis 23. Mai 2009 in Bar&Co zeigen, zwei weiteren Gruppen haben wir angeboten, ihr Projekt zu einem abendfüllenden Stück weiter zu entwickeln und in der nächsten Saison in Bar&Co zu zeigen (Fuck the pain away oder Punk is dead! Sex am Acker, Theaterkollektiv Sequenz: Ines Rössl, Maria Wlassow, und Warum liegt hier Stroh rum?, Ensemble08: Jakob Beubler, Martina Ebm, Birgit Fischer-Wagner, Benjamin Plautz, Bärbel Strehlau).



Die meisten Projekte kreisen um zwei Hauptansätze: Erstens die Divergenz zwischen Ideal und Wirklichkeit, d.h. zwischen dem eigenen und/oder gesellschaftlichen Idealanspruch an den Körper und der Realität, die auffallend oft als eine Realität des Makels dargestellt wird. Und zweitens die Produktion von Schönheit, die Zurichtung des Körpers im Hinblick auf das Idealbild.



Viele Projekte konzentrieren sich auf die Abbildung gesellschaftlicher (Miss-) Verhältnisse, andere handeln das Thema in sehr allgemeiner Art ab. Manche sind sehr intim, gehen ganz offensichtlich auf persönliche Erfahrungen zurück, andere wiederum beschäftigen sich in satirischer Form mit Schönheitscamps, kosmetischen Operationen etc.



Die für uns interessantesten Konzepte gehen allerdings über die unmittelbare Reflexion von Körperbildern hinaus und stellen den Kult um den schönen Körper in einen größeren Zusammenhang heutiger gesellschaftlicher Verhältnisse. Sie eignen sich für das vorgegebene 20-Minuten-Format und bieten inhaltlich und formal eine adäquate Übersetzung des Themas in einen ganz konkreten Ansatz.



Das Drachengasse-Team, bestehend aus Johanna Franz, Eva Langheiter, Beate Platzgummer und Katrin Schurich, entschied sich für folgende Projekte:







DIE FINALISTINNEN



DER KAMPF UM DEN FLEISCHMARKT

Drei Jahre schon dauert der Krieg um den Fleischmarkt: Die Heckenkriecher und die Gesichtsschlüpfer kämpfen um die Vorherrschaft und die eigene Handschrift auf dem Antlitz der Gesellschaft.

Der Anführer der Heckenkriecher, Boris der Beutelknülch, will König werden, damit er sich den Markt Untertan machen kann. Der hat ihn lange genug an der kurzen Leine gehalten und ihm ein Leben im Dreck diktiert.

Die Gesichtsschlüpfer haben sich um Boris den Biberpelz versammelt. Sie wohnen in den oberen Stockwerken der ausgebrannten Häuser und wollen einfach leben: schön und sauber und ohne Fragen.

Es ist Frühling und die große Schlacht um den Fleischmarkt steht bevor.

Ein Ende wird es geben, ein schönes, wollen wir hoffen.



TEXT UND REGIE: JOSEPHINE EHLERT

DRAMATURGIE: RONALD KLEIN

BÜHNE UND KOSTÜM. THEA HOFFMANN-AXTHELM

ES SPIELEN: WOLFGANG CERNY, LISA MÜLLER-TREDE, PETER MWANGI, ANNA UNTERBERGER

ALLE SCHAUSPIELER/INNEN SIND STUDIERENDE DES KONSERVATORIUMS WIEN





FLIMMERN

Fliegen und Sauna zum Frühstück und aufs Wasser schauen in totaler Wachheit, eben wegen der Begeisterung mit dem falschen Mann, so physical disorder und Tetrapack, nur ist es eine Halle wo wir aufgehen, nicht unter. Dann wirft die Musik das Herz gegen die Innenwände und du kannst gar nicht anders, weil das dein Herzschlag ist.



Die Technokultur changiert zwischen wirtschaftlicher Spaß-Berechnung, harmlosem gesellschaftlichem Zeitvertreib, ekstatischer Sexualität und exzessivem Drogenkonsum. Techno steuert den vegetativen und sozialen Körper und programmiert somit Arten von Körper-Gedächtnis. Gezielt wird der Körper bis ans Maximum getestet und ausgekostet. Die virtuelle, klangkörperlose Musik hat die Kommunikation der tanzenden, schwitzenden Körper recycelt. Die Tanzfläche wird zu einem Experimentierfeld, auf dem Gesten entwickelt und in die Alltagssprache mitgenommen werden. Das Stück der assoziativen Kette verfolgt eine offene Struktur und will für die Zeitspanne der Aufführung ein organisches, lebendiges Prinzip in eine sichtbare Form überführen.



GRUPPE H:R:Z

KONZEPT, TEXT UND REGIE: KATHRIN WOJTOWICZ UND IRIS BLAUENSTEINER

AUSSTATTUNG UND BÜHNENBILD: ANDREA SIMEON

ES SPIELEN: CLEMENS BERNDORFF UND TOBI DRAEGER





NAKED PUNCH

VERSCHLEIERTE KÖRPER IN UNSERER ENTBLÖSSTEN KULTUR


Der verschleierte Körper ist Perfektion, denn die Realität liegt im Dunkeln der Stoffbahnen. Mit Naked Punch macht sich das Performancekollektiv changing names auf die Suche nach den Grenzen von persönlichem und gesellschaftlichem Freiraum.

Zwei Personen, ganzkörperverschleiert in Niqab und Tschador, sind durch die Gier der Zusehenden gezwungen, immer mehr freizugeben. An Haut, an Projektionsfläche – hin- und hergeschleudert zwischen Vorurteilen und der Intoleranz der versuchten Toleranz.

Der Text collagiert Orient-Klischees und unsere (vermeintliche) sexuelle Revolution, bewegt sich von Salomes Schleiertanz bis zu den anonymen PosterInnen in den Foren von Online-Medien. Eine Polyphonie der Zuschreibungen umkreist die Unmöglichkeit, einer überhitzten Debatte gerecht zu werden und zeigt zugleich die Wichtigkeit, trotzdem nicht aufzuhören, Fragen zu stellen.



PERFORMANCEKOLLKETIV CHANGING NAMES

REGIE, KONZEPT UND TEXTMONTAGE: BRIGITTE AUER

KOSTÜM: BIRGIT SCHOLIN

MUSIK: MAX AICHINGER

TEXTE VON DANTE ALIGHIERI, OSCAR WILDE, 1001 NACHT SOWIE ANONYMEN POSTER/INNEN AUF DERSTANDARD.AT, ORF.AT UND ZEIT.DE

ES SPIELEN: SUSANNA KELLERMAYR, ANA PURWA





SCHNEEWITTCHENPSYCHOSE

nana hat sich zurückgezogen, sich einen ort gesucht, ihn eingerichtet, zugerichtet. nana nimmt welt nicht mehr auf, verschliesst sich, hat ihren lebensraum auf ein einziges zimmer reduziert; dennoch ist nana nicht allein: ihr handeln wird bestimmt durch ana, die angebetete göttin der anorexie. in einer vom life-style dominierten welt wird auch sie mit bildern aus fernsehkanälen gefüttert. die moderatorin konfrontiert nana unablässig mit fakten der globalen wohlstandsverteilung. ohnmacht angesichts der zustände dieser weltwahrheit macht sich breit. in der paradoxen vereinigung von mangel und übersättigung gräbt sich ana immer tiefer in nanas persönlichkeit. wohin, wozu wird fraglich, die geschichte von nana geht weiter, wie auch ana. stopp. libelle. enter. amen



GRUPPE FAIMME

TEXT & MUSIK: SOPHIE REYER

DRAMATURGIE & REGIE: ALEXANDER MATTHIAS KOSNOPFL

KAMERA & CO-REGIE: CHRISTIAN HAAKE

ES SPIELEN: GINA MATTIELLO, RUTH RANACHER







Wir danken für die Unterstützung:



Östig www.oestig.at



Wiener Programm für Frauengesundheit und dessen Initiative S-O-Ess gegen unerreichbare Schlankheitsideale www.s-o-ess.at



Weiters danken wir den Organisatorinnen der Enquete „Der gemachte Körper“ von Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely für Inspiration und Zusammenarbeit.




 

 

Talentierter Nachwuchs Das Theater Drachengasse zeigt bis 23. Mai das Finale des Nachwuchs-Theater-Wettbewebs zum Thema „Schöne Körper“. Aus den vielen Einreichungen wurden sechs Kurzstücke ausgewählt. Zwei davon werden in Langfassung in der nächsten Spielzeit präsentiert. Vier wurden zu einem Abend zusammengefasst und kämpfen um die zwei Preise: den der Jury und den des Publikums. Fünf Autorinnen haben sich dem Thema in unterschiedlicher Weise genähert. Zwei der Arbeiten stechen besonders hervor: „Flimmern“ von Kathrin Wojtowicz und Iris Blauensteiner, ein Furioso um die alles verschlingende Technokultur, dargeboten von zwei mitreißenden Schauspielern: Clemens Berndorff und Tobi Draeger. Fesselnd und spannungsgeladen auch „Der Kampf um den Fleischmarkt“ von Josephine Ehlert, eine Art Totentanz, ein Endspiel, in dem vier Menschen (Lisa Müller-Trede, Anna Unterberger, Wolfgang Cerny und Peter Mwangi) stets erneut versuche, trotz aller Unbill an der Oberfläche und obendrein der Schönheit zugewendet zu bleiben. Ein rasantes Spektaktel, das einem im Gedächtnis bleibt. Insgesamt ein Abend, der beweist, dass einem um den Theaternachwuchs nicht bange sein muss. WIENER ZEITUNG, 7.5.09

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