Theater Drachengasse  Bar&Co
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Geheimsache Rosa Luxemburg
Ein musikalischer und bisweilen manipulativer Abend
Uraufführung
Koproduktion: portraittheater und Theater Drachengasse

Bar&Co
29. Februar – 5. März 2016 um 20 Uhr

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© Reinhard Winkler

 
© Reinhard Winkler  




















Zu sagen was ist, bleibt die revolutionärste Tat.
Rosa Luxemburg

Eine Linke redet, stört, polarisiert. Rosa Luxemburg (1871–1919) war eine bedeutende Kämpferin, Theoretikerin und Politikerin der europäischen Arbeiterbewegung. Ihr gewaltsamer Tod, die Gefängnisaufenthalte, das unbedingte Einstehen für ihre Ansichten, der Kampf für die Rechte der Arbeiterinnen und Arbeiter waren einzigartig in der Geschichte. Ihre Briefe zeugen von einer sensiblen und unerschütterlich optimistischen Einstellung. Ihre Reden gelten als brillante Glanzstücke der Rhetorik. Aber sie gilt auch als fehlerhaft, als Kommunistin, als Abtrünnige und Aufhetzerin. Von den einen wird Rosa Luxemburg verherrlicht, von den anderen verdammt.

In einer „Geheimsache“ wagt sich portraittheater an das Denken dieser bedeutenden und umstrittenen Vordenkerin heran. Was hat sie zu Themen wie Pazifismus, Kapitalismus, Finanzsystem und Demokratie zu sagen? Und warum eckt diese Person immer noch an?

Die Schauspielerin Anita Zieher und die Percussionistin Ingrid Oberkanins agieren mal dialogisch, mal diametral auf der Bühne, sind mal ganz weit weg von der Figur, werden dann zu ihrer Stimme und lassen so ein komplexes Bild einer Frau entstehen, die gesagt hat, was ist.

TRAILER
 

Texte: Sandra Schüddekopf, Anita Zieher sowie Originaltexte von Rosa Luxemburg
Regie: Sandra Schüddekopf
Bühnenkonzept: Eva-Maria Schwenkel
Komposition: Ingrid Oberkanins
Es spielen: Anita Zieher (Schauspiel), Ingrid Oberkanins (Percussion)

Kooperationspartner: AK OÖ

 


  © Reinhard Winkler
  © Reinhard Winkler

 

http://www.portraittheater.net

 


Anita Zieher gab Luxemburg Stimme, Gesicht und Haltung. Und zwar in allen Facetten des Menschlichen. Sie wechselte zwischen dem harten Duktus der Rednerin, der Leidenschaft einer Gesellschaftspolitikerin, der Süffisanz eines streitlustigen „Weibes“, der Zerbrechlichkeit einer Liebenden, der Freude einer Gärtnerin. Scheinbar mühelos, permanent präsent, in allen Ambivalenzen.
Ein mitreißender Abend …
Oberösterreichische Nachrichten

 

Zieher zeigt die Luxemburg in ihren Widersprüchen – Vergötzung der Arbeiterschaft –, nüchtern und sachlich, kongenial begleitet von Ingrid Oberkanins am Schlagwerk. Nach 100 Minuten Standing Ovations.
Neues Volksblatt
 

Anita Zieher ist auch optisch ganz und gar auf Rosa Luxemburg getrimmt. Sie nimmt ihre Besucher mit auf einen mehr als eineinhalbstündigen Monolog durch Rosa Luxemburgs Leben … Eine imponierende Gestalt, ein ebensolcher Abend.
Kronen Zeitung

Sieh, dass du Mensch bleibst!

 „Ich warne Sie, jetzt haben Sie noch Zeit, das Theater zu verlassen!“, Anita Zieher steckt ihren Kopf zwischen dem Bühnenvorhang vor, um kurz danach mit einem abgewandelten Zitat von Rosa Luxemburg die Vorstellung zu eröffnen: „Orte sind gefährlich, an denen Dinge benannt werden, wie sie sind.“

Am 17. Februar hatte die „Geheimsache Rosa Luxemburg“ Wien-Premiere. Zuvor schon in Linz gezeigt, schlüpfte Anita Zieher in die Rolle der streitbaren Politikerin. Wie immer, führte Sandra Schüddekopf für das „portraittheater“ Regie, in dem Zieher schon eine ganze Reihe von wichtigen Frauen des 20. Jahrhunderts verkörperte.

Rosa Luxemburg, genauso verehrt wie verachtet, steht in diesem neuen Programm im Mittelpunkt. Zieher zerlegt dafür ihre einzelnen Lebenslinien und verfolgt jede davon im Schnelldurchlauf. Dabei beginnt sie ganz anachronistisch mit ihrem gewaltsamen Tod, der erst in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts aufgeklärt wurde. Wie es dazu kam, dass ihr Leichnam im Jänner 1919 im Landwehrkanal in Berlin ermordet aufgefunden wurde, erfährt das Publikum rasch. Auch, wie oft Rosa Luxemburg im Gefängnis landete. Angefangen von ihrer ersten Verurteilung von drei Monaten wegen Majestätsbeleidigung, die sie von der Dauer her schlicht als eine „Lappalie“ abtat, bis hin zu ihrer letzten Schutzhaft in Breslau, aus der sie berührende Briefe schrieb.

Danach geht es etwas gemütlicher zu, gibt Zieher den Zuseherinnen und Zusehern doch die Möglichkeit, eine Szene in ihrer Ausführung selbst zu bestimmen. Das Liebesleben von Rosa Luxemburg möchte schließlich die „Rosamunde-Pilcher-Fraktion“ im Saal romantisch vorgeführt bekommen. Und so begleitet Ingrid Oberkanins mit leisen Tönen die Erzählungen über die vier Liebhaber und Luxemburgs Ehemann auf ihrem Hang, einer Art verkehrten Steeldrum. Aber auch eine Sitztrommel, ein Vibraphon und ein Sound-Egg kommen zum Einsatz, nicht zuletzt und wenig verwunderlich, wird auch die Internationale an diesem Abend zweimal angestimmt.

Die Musik verleiht der Vorstellung aber keine Leichtigkeit. Denn dieses Gefühl kann Luxemburgs Biografie schwerlich begleiten. Mit einem kurzen Anriss von ihrem wichtigen, theoretischen Werk, der „Einführung in die Nationalökonomie“, zeigt Zieher auch das prophetische Denken der Intellektuellen auf, deren Aussagen zum Teil heute große Brisanz erreicht haben.

Luxemburgs Wesen, streitbar in der Sache, aber zutiefst menschlich in den Gefühlen, wird in jenen Aussagen richtig greifbar, die sich auf ihre Naturliebe beziehen. So wie im Lobpreis auf die am Himmel ziehenden Wolken oder jene zutiefst traurige Stelle, an der Zieher einen Brief vorliest, in dem Luxemburg einen Vorfall beschreibt, in welchem ein Büffel gequält wurde, der danach den Blick eines traurigen, gezüchtigten Kindes hatte, das nicht weiß, warum man es geschlagen hat.

Luxemburgs Hoffnungen auf ein friedliches, gemeinsames, staatenübergreifendes, sozialistisches Zusammengehörigkeitsgefühl, die von der SPD mit der Zustimmung der Kriegskredite zunichtegemacht wurden, sind ebenso Thema wie ihre Auftritte als Rednerin. Anita Zieher gelingt es in eineinhalb Stunden Rosa Luxemburg in einer psychologischen Bandbreite erklärbar zu machen, die nichts mit Romantik oder Verklärung zu tun hat. Damit bietet sie nicht nur jenen Gelegenheit, sich wieder mit dieser Galionsfigur der Linken auseinanderzusetzen, sondern vor allem auch vielen jungen Menschen, für die Rosa Luxemburg noch kein Begriff ist. Ihre Mahnung „sieh, dass du Mensch bleibst“ gilt nicht nur für Alt und Jung, vielmehr ist es ein Aufruf quer über alle politischen Lager hinweg. Ein Aufruf, der heute nicht laut genug in die Welt verbreitet werden kann.

European Cultural News, 20. Februar 2016

Die "rote Rosa" mit dem grünen Daumen

In der Drachengasse stellt das Portraittheater die Uraufführung "Geheimsache Rosa Luxemburg" vor

Wien – "Alles, was hier gesagt wird, muss unter uns bleiben", beschwört Anita Zieher ihr Publikum. Wer Angst habe, solle lieber nach Hause gehen, gehe es im Folgenden doch um "eine wirklich linke Politikerin", wie man sie heute nicht mehr finde. Und um eine der großen Frauenfiguren des vorigen Jahrhunderts, als die Sozialdemokratie offenbar noch ein Abenteuer war: Rosa Luxemburg.

Seit 2006 ist es dem von Zieher mitbegründeten Portraittheater ein Anliegen, in biografischen Stücken bedeutende Frauen vorzustellen. Drei Jahre vor ihrem hundertsten Todestag ist aktuell die Kapitalismuskritikerin und Revolutionärin an der Reihe, ihr Denken und Tun offenzulegen.

Angriffig, anstrengend und geheimnisvoll verkörpert Zieher die "rote Rosa" in der Drachengasse. Die Haare hinten gesteckt, die Bluse leger, ist sie eine brave Denkarbeiterin im Geiste von Marx und Engels. Energisch allein schon der Blick. Und dann erst die Worte!

Gemeinsam mit Regisseurin Sandra Schüddekopf hat Zieher eine von Originalzitaten gespickte Ich-Erzählung gebaut, die Luxemburgs Leben in vier Anläufen aufzudröseln versucht: biografische Eckpunkte, Privatleben, theoretisches Werk, politische Karriere. Wie untrennbar jene allerdings miteinander verbunden sind, zeigt sich flugs: Schwärmt Rosa als Studentin noch für den Rausch der Liebe, wird ihr bald jener des Denkens bedeutender. Sie geht 1898 eine Scheinehe ein, um aus der Schweiz, wo sie studierte, nach Berlin zu übersiedeln. Hier arbeitet sich die gebürtige Polin als Rednerin auf Parteitagen hoch.

Während einer Kindheitserkrankung hat sie sich das Briefeschreiben angewöhnt, jetzt publiziert sie unter mehreren Pseudonymen aufsehenerregende Artikel, "herrlich angespornt" von den Problemen der Zeit. Dafür inhaftiert, erklärt sie wiederum: "Mein Innerstes gehört mehr meinen Kohlmeisen als den Genossen", und legt Gefängnishofgärtlein an. Diesen Widersprüchen und der Unterstützung von Perkussionistin Ingrid Oberkanins dankt der zuweilen referathafte Abend seine Spannung.

Der Standard, 2.3.2016

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