FRITZ LANG - DIE ENTSCHEIDUNG

INTERVIEW MIT MICHEL PICCOLI Wie würden Sie die Persönlichkeit, den Charakter von Fritz Lang beschreiben? Er nannte sich selbst zum Spaß einen „anderen Hund“. Ein Schelm, ein Herr, der aber auch etwas Brutales an sich hatte. Er war extrem aufmerksam, ihm entging nichts. Ein autoritärer Verführer. Beeindruckend. Einer der Erfinder des Kinos. Wie war Ihr Verhältnis zu Fritz Lang bei den Dreharbeiten von Die Verachtung? Wie verhielt er sich dem Team gegenüber, das weitgehend aus wesentlich jüngeren Künstlern bestand? Wir hatten ein sehr freundschaftliches Verhältnis. Wir überraschten uns gegenseitig, heimlich, sachte, und waren neugierig auf unsere Freundschaft wie auf unsere Rollen für Godard. Er erwies sich als sehr aufmerksam und gehorsam. Bescheiden und großartig. Äußerst bescheiden gegenüber Jean-Luc Godard, den er bewunderte. Er freute sich über diesen genialen Streich, der ihm ermöglichte, „Fritz Lang darzustellen“. Vielleicht war er auch stolz. Wie war damals sein Verhältnis zu Deutschland? Bedauerte er es Ihrer Meinung nach, dass er dieses Land in den 30er Jahren verlassen hatte? Er hat sein Land nicht verlassen, Deutschland war ja nicht sein Land. Er wurde aus politischen Gründen vertrieben. Er ging ins Exil, um nicht unter dem Regime der Nationalsozialisten leben zu müssen. Erwähnte er Ihnen gegenüber, unter welchen Umständen er 1933 Berlin verließ? Und sprach eventuell auch von seiner Entscheidung, sich zunächst in Paris niederzulassen, von seinem einjährigen Exil in Frankreich sowie seinem neuen Leben, seiner neuen Karriere in den USA? Als weltberühmter Filmemacher war er Herr seines Lebens wie seiner Kunst. Was dachte er über Frankreich, wo seine Filme sehr geschätzt wurden und – anders als in Deutschland – relativ bald nach dem Krieg in Retrospektiven gezeigt wurden? Er liebte Frankreich und sprach unsere Sprache fließend. Er hätte einen prächtigen Franzosen abgegeben. Menschen wie ihn brauchten wir damals. Das Interview führte Cordula Treml in einem Briefwechsel.

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