Ausschreibung Nachwuchswettbewerb 2027

  • ROLLE RÜCKWÄRTS ODER SPRUNG NACH VORN?

Transformation ist, darin besteht Einigkeit, in der gegenwärtigen Polykrise eine Notwendigkeit. Über Ursachen und Ausgestaltung herrschen jedoch Uneinigkeit und Polarisierung. Einigkeit besteht wiederum darüber, die Transformation einer als bedrohlich empfundenen Gegenwart führe tendenziell zu einer Änderung zum wie immer definierten Positiven.

Zu dieser Annahme besteht in der Rückschau nicht zwingend Anlass: Die "große Transformation" am Ende des 18. Jahrhunderts führte zur Verelendung breiter zu Lohnabhängigen degradierter Bevölkerungsschichten; die Transformation zur Planwirtschaft führte zu Hungersnöten; nach dem Zusammenbruch von Planwirtschaft und Ostblock ausgerufene Systemtransformationen versandeten oder spülten autokratische Kleptokratien nach oben. Die digitale Transformation unter der Ägide von Tech-Oligarchen, die ihre Körper zu unsterblichen Männlichkeitsmaschinen transformieren wollen, lässt Dystopien vorausahnen.

Transformation provoziert Gegenbewegungen. Während die einen sich abgehängt fühlen, sehen die anderen ihre Besitzansprüche gefährdet. Die Transformation erfolgt damit zwangsläufig von unterschiedlichen (sozio-)ökonomischen und ideologischen Standpunkten aus. Der zum jeweils ausgerufenen Transformationsziel zurückzulegende Weg erfordert unterschiedliche Anstrengungen und Geschwindigkeiten. Verschärft wird die Problemlage dadurch, dass vergrößerte Teilhabe auf der einen Machtverzicht auf der anderen Seite erfordert; letzterer ging selten gewaltlos von statten. Von Transparenz lässt sich nicht sprechen, ohne die Ambivalenz des Begriffs mit zu denken.

Damit stellen sich die Fragen: Wer wird überholt? Was ist mit dem:der Einzelnen, die:deren Bewusstsein und unmittelbaren Lebensumstände transformiert werden? Drohen Transformationen als Rolle rückwärts zugunsten von Partikularinteressen in die Gegenrichtung umzuschlagen? Wie können zukünftige Transformationen im Interesse des Gemeinwohls erfolgen? Wer sind die potenziellen Akteur:innen der Transformation, wer wird zu Zuschauer:innen degradiert? Welche Gefahren birgt es, wenn Transformation zum Willkürakt gigantomanischer Techbros oder Ziel von großen Erzählungen mobilisierter Kollektive wird?
Erfolgen sie am besten als bedachtsames Zeppeln auf ausgetretenen Mittelwegen, als zunächst kaum wahrnehmbares Drehen an kleinen Stellschrauben, als großer Sprung, der die Gefahr des Stolperns und Stürzens – wenn es sein muss, dann auch über Leichenberge – in Kauf nimmt, oder als "schleichende Transformation" in neurechte Autoritarismen? Sind Transformationen der verzweifelte Versuch, dem Zusammenbruch noch einen Haken zu schlagen? Hat sich der Transformationsbegriff zum zahmen Ersatzbegriff für Revolution entwickelt, der die Chimäre von Kontrollierbarkeit vermittelt?

Wir laden junge Theatermacher:innen ein, Konzepte für Kurzprojekte zum Thema einzureichen. Die drei spannendsten Projekte/Gruppen erhalten 7.000 €, die Gelegenheit, drei Wochen im Theater Drachengasse zu proben und anschließend ihre Arbeiten in einer Spielserie von 10 Tagen zwischen 10. und 25. Mai 2027 zu präsentieren.

Die Gewinner:innen des Wettbewerbs werden über Juryentscheid bzw. Publikumsabstimmung ermittelt. Der Jurypreis beträgt 15.000 €, zur Verfügung gestellt vom Theater Drachengasse für die weitere Ausarbeitung des Projektes. Die Drachengasse stellt Bar&Co samt Infrastruktur für die Produktion in der darauffolgenden Saison zur Verfügung. Der Publikumspreis beträgt 1.000 €.

Wir bieten: 7.000 € Budget pro realisiertem Projekt (beinhaltet Projektentwicklung und 10 Spieltage), Proberaum für 3 Wochen, Bühne: 3,5 x 5 m, technische Grund-ausstattung vorhanden und PR, Werbung, Marketing, dramaturgische Betreuung
Teilnehmer:innen: Theaterkünstler:innen in Ausbildung oder am Beginn ihrer Berufslaufbahn. Der Fokus liegt auf Text, Schauspiel und Regie (minimale bühnen-technische Ausstattung). Wir empfehlen eine dem zur Verfügung gestellten Budget angemessene Teamgröße.

Die Einreichung muss enthalten:
• Name und Kontakt der Gruppe
• Projektbeschreibung (maximal eine Seite; ausgelegt auf 20 Minuten)
• Info über Mitwirkende (Name, Alter, Kurzbiografien inkl. Ausbildung)
• ggf. Textproben

Wir ersuchen darum, die erforderlichen Unterlagen in ein PDF-Dokument zusammenzufassen und dieses nach dem Muster „Projekttitel_Gruppenname.pdf“ zu benennen.

Projektvorschläge sind bis einschließlich 12. Oktober 2026 (24 Uhr) zu richten an: newcomer@drachengasse.at mit dem Betreff „Bewerbung Nachwuchswettbewerb 2027“
oder per Post an: Theater Drachengasse, 1010 Wien, Fleischmarkt 22, Kennwort: Newcomer:in

AUSSCHREIBUNGSTEXT ALS PDF HERUNTERLADEN. 

Spielplan Januar 2022