im vorbeigehen / u prolazu
- ein erinnerungsversuch
- von Màteja Kardelis
- Uraufführung
Eigenproduktion - Theater Drachengasse
- 26. April – 25. Mai 2027 um 20 Uhr
die alte cd hakt nach wie vor an derselben stelle, an einem song der sich ständig wiederholt. da wo wir nicht mehr sind.
Auf dem Weg zur Beerdigung seines Großvaters sitzt ein junger Mann auf der Rückbank des Familienautos, das durch den Norden Serbiens fährt. Sein Vater hinter dem Steuer, seine Mutter ihm zugewandt. Am Fenster ziehen die Straßen seiner Kindheit vorbei. Im Toyota Corolla 1.4, Baujahr 2002, dunkelgrün, sprechen die Eltern über seine Zukunftspläne im anderen Land, über die beschissene Politik, über Baustellen, die seine Heimatstadt unwiederbringlich verändern. Er schweigt.
Er kennt jeden Kratzer auf den CDs im Handschuhfach. Die Lieder lösen Erinnerungen in ihm aus: an den Bruder, an vergessene Familienrituale, an Geborgenheit und an erste heimliche sexuelle Erfahrungen, von denen nur das Auto weiß.
Während der Reise zu seiner Familie, deren Geschichte über Ländergrenzen und Generationen hinweg reicht, beginnt der junge Mann, seinen Platz in der Familie neu zu betrachten. Die Rückkehr konfrontiert ihn mit Fragen, von denen er glaubte, sie in der Distanz bereits beantwortet zu haben.
im vorbeigehen / u prolazu erzählt von Gastarbeiter:innen, ihren Kindern und Enkeln, von queerer Unsichtbarkeit in der Familie, von Heimat und Entwurzelung und einem Land, das nur noch in Erzählungen existiert. Und von der Erinnerung als dem einzigen Ort, an dem alles noch einmal gleichzeitig existieren darf.
im vorbeigehen / u prolazu wurde bei der Werkstattlesung des Hans-Gratzer-Stipendiums 2025 mit dem Publikumspreis ausgezeichnet.
Regie: Amelie von Godin
Bühne, Kostüme: Tanja Maderner
Rechte bei Màteja Kardelis