UFO I ULTRA FETT ORIGINAL

Jurypreis Nachwuchswettbewerb 2020
Uraufführung
Eine Koproduktion mit ZAK I zentrum für antidisziplinäre kunst
Bar&Co

16. – 19., 22. und 24. – 26. November 2022
um 19:30 Uhr

Wiederaufnahme wegen des großen Erfolges

Das Wahrzeichen Österreichs ist ein kulinarisch eingebürgerter Diebstahl. Oswald Wiener zieht Parallelen: Das Schnitzel ist eigentlich wie der Wiener selbst, man kann alles unter einer Panier verstecken. Warum Schnitzelursprungsnarrative wie jenes vom Feldmarschall Radetzky und seinem Cotoletta Milanese oder die Herkunftsgeschichte aus dem alten Byzanz so heiß debattiert sind? Wann das Wiener Schnitzel zum Götzenbild geschmackloser Wahlsprüche populistischer Politik wurde? Wodurch es in unterschiedlichen Kontexten wie Klimakrise, Migration oder Kapitalismuskritik zu Religion und flachsiger, trockener, fader Weltanschauung mutiert? All diese Fragen werden in UFO / ultra fett original nicht beantwortet.

Die sakrale Räumlichkeit des Theater Drachengasse wird Schauplatz einer surrealen Schnitzelprozession, die den österreichischen Schnitzelfetischismus ad absurdum führt und von dessen Vor- und Nachgeschmack eingenommen. UFO / ultra fett original ist das Paniertsein an sich, der kollektive Verdauungsgang des unschuldigen Fleisches in seiner dreifaltigen Umhüllung: Mehl – Ei – Brösel.

Gottlose Messe, Modenschau, Aktionismus: Das Nachwuchstheater wirft seine Rauchbomben voraus. Die Wiener Formation ZAK lässt bei der Uraufführung im Theater Drachengasse erahnen, was am Theater noch alles möglich ist.  Es geht im Stück um das Wiener Schnitzel und seine Anbetung. Wie in einem Tanz ums Goldene Kalb wird die Freude am Frittierten feierlich, abgründig und trancehaft umkreist – die vier Performerinnen haben den Abend ordentlich hinpaniert.
Der Standard

Ein Projekt von Desi Bonato, Jessica Comis, Aurelia van Kempen, Eva Sommer

Modenschau und Schnitzelessen

Von der Bühne der Drachengasse-Bar erstreckt sich ein langer Tisch in den Zuschauerraum. Er wird auch ein Laufsteg für bunte, ausgefallene und nicht immer ganz körperbedeckende Kleidung sein. Doch zuvor erklingt eine Ouvertüre, die nicht enden will, bis man sich fragt: Wollen die uns eigentlich verarschen? Ein bisschen, ja. Da Desi Bonato, Jessica Comis, Aurelia van Kempen und Eva Sommer mit ihren Stückentwurf den hiesigen Nachwuchswettbewerb 2020 gewannen, durften sie "UFO -Ultra Fett Original" zur abendfüllenden Performance erweitern.

Mit Modenschau und Schnitzelessen für einen Zuschauer gelang ihnen damit einer der lustigsten und sinnlichsten Abende des Jahres. Mahlzeit! MP

FALTER 45/22 vom 09.11.2022


Nachwuchssieger: "UFO – ultra fett original" im Theater Drachengasse
Gottlose Messe, Modenschau, Aktionismus:
Das Zentrum für antidisziplinäre Kunst klopft die Wiener-Schnitzel-Liebe ab

Wien – Das Nachwuchstheater wirft seine Rauchbomben voraus. Die Wiener Formation Zak – Zentrum für antidisziplinäre Kunst – lässt bei der Uraufführung im Theater Drachengasse erahnen, was am Theater noch alles möglich ist. Das Stück UFO – ultra fett original ist eine Performance zwischen gottloser Messe, Modenschau, Choreografie, Aktionismus und Varieté und gibt im sonst botschaftsbeladenen Theater Rätsel auf. Das Publikum bekommt in manchen Längen auch Zeit zum Nachdenken.

Welche Stimmen stöhnen da im Hintergrund? Und warum werden Papierblättchen aus dem Hut einer Vierbeinerin im Publikum verteilt? Ist das Luis Buñuels andalusischer Hund? Es gibt Gesprächsbedarf! Und der lässt sich an der durch den Barraum gezogenen Tafel (man darf wie im Kabarett Getränke mit zum Tisch nehmen) gleich stillen. Alles beginnt zunächst mit einer langen, betörend tönenden, pink verrauchten Pause. Alsdann treten vier Hohepriesterinnen in Erscheinung (Desi Bonato, Jessica Comis, Aurelia van Kempen, Eva Sommer), deren makellosen Körpern Designer ohne Namen viel Pfirsichhaut und Knautschlack angemessen haben.

"Ansapanier"

Es geht im Stück ja auch um die "Panier", genauer: um das Wiener Schnitzel und seine Anbetung. Wie in einem Tanz ums Goldene Kalb wird die Freude am Frittierten feierlich, abgründig und trancehaft umkreist. Hinten eine bunte Marc-Chagall-Kulisse und davor strenger visueller und auditiver Surrealismus, in dem etwa die Tonspur der 1960er-Jahre-ORF-Kochsendung mit Helmut Misak am DJ-Pult massiert wird. Text? Gibt’s erst nach der Hälfte.

UFO erhielt den Jurypreis des Nachwuchswettbewerbs 2020/21 – die Nichten von Florentina Holzinger haben den Abend ordentlich hinpaniert.

Margarete Affenzeller, derstandard.at, 3.2.2022


Spielplan Januar 2022