Lohengrin

  • Bar&Co
  • 25. – 30. November 2013 um 20 Uhr


Ein Theaterstück nach Wagners Oper für 5 Personen

Uraufführung

In Koproduktion mit Theater Drachengasse



 



Natürlich fragt sie ihn dann, die Elsa. Der/die Lohengrin hat die Brabanterin schließlich knapp errettet und gleich geheiratet. Trotzdem hält sie es nicht aus. Das Volk bleibt währenddessen wankelmütig und führertreu, der frühmittelalterliche König eher blöd, der Heerrufer ein Propaganda-Minister. Aber eigentlich ist alles ja die Tragödie von Ortrud und Telramund, deren politischer Aufstieg und Fall.

Drei Frauen und zwei Männer sitzen beisammen, führen einander Lohengrin-Szenen vor, mutieren ins Stück, lassen Musik über sich donnern und falten Papierschwäne, trinken, raufen, kosen, betrügen, spielen …

Natürlich endet das schlimm und bleibt doch beim Alten … an der Schelde, in Monsalvat, in der Drachengasse …



 



Text, Regie: Otto Brusatti

Künstlerische Mitarbeit: Gerhard Hafner

Musik: 4tune audio & media production 

Regieassistenz: Aida Jakubovic, Tobias Vees

Es spielen: Eszter Hollósi, Bernhard Majcen, Julia Prock-Schauer, Eckart Schönbeck, Anú Anjuli Sifkovits 





 


Feines Märchen
Nie sollst du mich befragen. Otto Brusatti schafft eine eigene Version von Richard Wagners Oper Lohengrin, die ab 25. November im Theater Drachengasse zu sehen sein wird. Vorab ein Interview.

wienlive: Warum ein weiterer Wagner im Wagner-Jahr. Noch nicht genug?

Otto Brusatti: Ja, die Riesentrümmer in den Operhäusern, da reicht es (auch was die Kosten anlangt). Aber – bei aller Wagnerkritik und bei seinem noch immer umwerfenden Werk – die Stücke sind toll, ein Welttheater, ein Kosmos. Auch – oder vor allem – wenn man mit der Musik und den Plots anders umgeht, wenn man die Musik nur in Zitaten und Riesencollagen parallel kommen lässt; und wenn die Geschichten neu und anders erzählt werden. Hier: aus einer Lesesituation von 5 Personen heraus – rasch, aggressiv, manchmal fast anarchistisch, dann wieder in die Stille/Starre zurückkehrend.

wienlive: Warum gerade Lohengrin?

Otto Brusatti: Das feine Märchen ist so vielfältig. Und es trägt in sich viele Frau-Mann-Beziehungen und –Konflikte (und deren Scheitern überhaupt). Man kann – und ich habe mir gewünscht in diesem Wagner-Jahr, einmal so eine Oper zu machen – die Sache in andere Bereiche stellen. Es ist allerdings in meiner Bearbeitung kein neues Wort drinnen, alles vom Richie W. Bloß, es kippt dauernd.

wienlive: Was für eine Rolle spielt das berühmte Frageverbot in ihrem Konzept?

Otto Brusatti: Das Verbot ist Ausdruck von Machtspielen untereinander. Es geht ja auch nach einem ¾ Tag schief. Beim Verbot-Aussprechen kommt es fast zu einer Vergewaltigung – bei der Frage selbst dann dazu, dass der L. zum ersten Mal etwas Menschliches verspürt. Schmerz, Zorn, vor allem aber Verzweiflung, dass nichts so läuft, wie man sich das als scheinbar Wissender und Gesandter aus einer anderen Welt/Kultur erhofft. Man könnte es auch als Imperialismus-Kolonialsimus-Stück inszenieren – aber so geht’s auch und schlagend (die Sache spielt heute nur in einem Raum.)

wienlive: Ist die Figur der Elsa nicht hoffnungslos gestrig?

Otto Brusatti: Warum? Ein Mädchen, dem mit etwa 17 Jahren alles zugemutet wird. Waise, Prinzessin in einem der reichsten Länder der Zeit, vom Statthalter (Telramund) begehrt, den verwiesen, die Folge: Hass. Der jüngere Bruder verschwunden. Und dann kommt für das Girlie der Märchenprinz – die Lösung? Kaum ist sie allein mit dem angeblichen Helden, der davor schon sagt, er wird die Macht an sich reißen und einen Weltkrieg anzetteln, da steigen ihr zu Recht die Grausbirnen auf und sie meint: “Du behauptest, Du kommst aus der Herrlichkeit schlechthin; Du haust sofort wieder ab in den Krieg; und ich darf nicht einmal Deinen Namen wissen!“ Naja, das ist ziemlich heutig.

Fragen: Helmut Schneider
Wienlive, Nr. 89, November 2013
 


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