Theater Drachengasse  Bar&Co
AKTUELLE PRODUKTIONEN
ZAK | zentrum für antidisziplinäre kunst präsentiert:

UFO | ultra fett original

Jurypreis des Nachwuchswettbewerbs 2020/21
Uraufführung
Eine Koproduktion mit Theater Drachengasse

Bar&Co
1. Februar – 5. Februar 2022
Di-Sa um 19.30 Uhr
Alle Termine für UFO | ultra fett original sind ausgebucht. Die Chance auf Restkarten gibt es 10 Minuten vor Vorstellungsbeginn an der Abendkassa.

 

Fotos: Antonia de la Luz Kašik

 
Fotos: Antonia de la Luz Kašik  































Das Wahrzeichen Österreichs ist ein kulinarisch eingebürgerter Diebstahl. Oswald Wiener zieht Parallelen: Das Schnitzel ist eigentlich wie der Wiener selbst, man kann alles unter einer Panier verstecken. Warum Schnitzelursprungsnarrative wie jenes vom Feldmarschall Radetzky und seinem Cotoletta Milanese oder die Herkunftsgeschichte aus dem alten Byzanz so heiß debattiert sind? Wann das Wiener Schnitzel zum Götzenbild geschmackloser Wahlsprüche populistischer Politik wurde? Wodurch es in unterschiedlichen Kontexten wie Klimakrise, Migration oder Kapitalismuskritik zu Religion und flachsiger, trockener, fader Weltanschauung mutiert? All diese Fragen werden in UFO / ultra fett original nicht beantwortet. Die sakrale Räumlichkeit des Theater Drachengasse wird Schauplatz einer surrealen Schnitzelprozession, die den österreichischen Schnitzelfetischismus ad absurdum führt und von dessen Vor- und Nachgeschmack eingenommen. UFO / ultra fett original  ist das Paniertsein an sich, der kollektive Verdauungsgang des unschuldigen Fleisches in seiner dreifaltigen Umhüllung: Mehl – Ei – Brösel.

Die rauschhafte Bilderflut, der kreatürliche wie teilweise auch verstörende Hör- und Sehgenuss bearbeitet, reizt und massiert gleichsam unser gesamtes Sensorium durch das Zusammenspiel der Performancekomponenten, welche wie Signale durch uns hinweg- und hindurchjagen, um uns angesteckt von der Erregung mit dem Gedanken zurückzulassen: „Was auch immer das war, ich will mehr davon!“

Aus der Jurybegründung

Ein Projekt von Desi Bonato, Jessica Comis, Aurelia van Kempen, Eva Sommer

TRAILER

Wir weisen Sie darauf hin, dass im Rahmen dieser Vorstellung Stroboskop-Effekte eingesetzt werden, welche bei empfindlichen Menschen zu epileptischen Anfällen führen können.
 


  Fotos: Antonia de la Luz Kašik
  Fotos: Antonia de la Luz Kašik

 

 

Nachwuchssieger: "UFO – ultra fett original" im Theater Drachengasse
Gottlose Messe, Modenschau, Aktionismus:
Das Zentrum für antidisziplinäre Kunst klopft die Wiener-Schnitzel-Liebe ab

Wien – Das Nachwuchstheater wirft seine Rauchbomben voraus. Die Wiener Formation Zak – Zentrum für antidisziplinäre Kunst – lässt bei der Uraufführung im Theater Drachengasse erahnen, was am Theater noch alles möglich ist. Das Stück UFO – ultra fett original ist eine Performance zwischen gottloser Messe, Modenschau, Choreografie, Aktionismus und Varieté und gibt im sonst botschaftsbeladenen Theater Rätsel auf. Das Publikum bekommt in manchen Längen auch Zeit zum Nachdenken.

Welche Stimmen stöhnen da im Hintergrund? Und warum werden Papierblättchen aus dem Hut einer Vierbeinerin im Publikum verteilt? Ist das Luis Buñuels andalusischer Hund? Es gibt Gesprächsbedarf! Und der lässt sich an der durch den Barraum gezogenen Tafel (man darf wie im Kabarett Getränke mit zum Tisch nehmen) gleich stillen. Alles beginnt zunächst mit einer langen, betörend tönenden, pink verrauchten Pause. Alsdann treten vier Hohepriesterinnen in Erscheinung (Desi Bonato, Jessica Comis, Aurelia van Kempen, Eva Sommer), deren makellosen Körpern Designer ohne Namen viel Pfirsichhaut und Knautschlack angemessen haben.

"Ansapanier"

Es geht im Stück ja auch um die "Panier", genauer: um das Wiener Schnitzel und seine Anbetung. Wie in einem Tanz ums Goldene Kalb wird die Freude am Frittierten feierlich, abgründig und trancehaft umkreist. Hinten eine bunte Marc-Chagall-Kulisse und davor strenger visueller und auditiver Surrealismus, in dem etwa die Tonspur der 1960er-Jahre-ORF-Kochsendung mit Helmut Misak am DJ-Pult massiert wird. Text? Gibt’s erst nach der Hälfte.

UFO erhielt den Jurypreis des Nachwuchswettbewerbs 2020/21 – die Nichten von Florentina Holzinger haben den Abend ordentlich hinpaniert.

Margarete Affenzeller, derstandard.at, 3.2.2022

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