Theater Drachengasse  Bar&Co
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Abendstimmung Afrika Digitalprint
von Malibu Diaries
Uraufführung
Eigenproduktion Theater Drachengasse

Theater Drachengasse
7. Mai – 9. Juni 2018
Di-Sa um 20 Uhr
Vorstellungen auch am Mo, 14. und am Mo, 28. Mai 2018, keine Vorstellungen am 19. Mai und 2. Juni 2018

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Foto: Andreas Friess

 
Foto: Andreas Friess  




















Du brauchst das afrikanische Elend, damit du ein Stück darüber machen kannst.

Kenia produziert Schnittblumen und vergiftet dabei sein Trinkwasser mit Pestiziden. Der Kongo muss Hühner importieren, weil die Bevölkerung in den Bergbau gedrängt wurde. Mädchen aus Nigeria landen in der Prostitution statt im Wohlstand der westlichen Welt. Das Elend in Afrika ist endlos, und ebenso ist es der Bühnentext darüber. Denn der Regisseur will das totale Bild der afrikanischen Ausbeutung zeigen, von den Kolonialmächten bis zur Weltbank.

Für jedes verhungernde Kind ein Wort. Für jede Million, die auf ein Schweizer Bankkonto fließt, ein Satz. Auf 1500 Seiten soll sich der Schauspieler um Kopf und Kragen reden. Auf dass das Theater sich endlich befreit aus dem Paralleluniversum arroganter Auswendiglerner. Falls es das überhaupt noch kann, angesichts von YouTube-Kanälen mit Millionenpublikum. Doch was verändert das alles an den Milliarden Stunden, die Frauen mit Wassertragen verbringen?

Text: Léon Engler
Regie: Michael Schlecht
Bühne, Kostüme: Imke Paulick
Video: Moritz Grewenig, Jan Zischka
Regieassistenz: Matthäus Leidenfrost
Es spielen: Luis Lüps, Gottfried Neuner

Chor: Beat Poetry Club - Juci Janoska, Ursi Wögerer, Lilly Janoska, Nina Braith, Mira Vegas-Kratochwil
Komposition, Arrangement, Aufnahme: Juci Janoska und Beat Poetry Club
Mischung: Richard Zirkl
Nachrichtensprecher: Francis Okpata

Rechte bei Léon Engler

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  Foto: Andreas Friess
  Foto: Andreas Friess

 

Léon Engler

 

Schöner Scheitern

Trashige Satire über Afrikas Elend als Uraufführung in der Drachengasse.

Der Autor hat zehn Jahre am Stoff gearbeitet. Hat sich Afrika, nein, nicht einem Staat, sondern dem ganzen Kontinent in all seinen Facetten gewidmet. Er hat dabei ein monströses Werk geschaffen, das nun auf knappe 1.500 Blätter gekürzt uraufgeführt wurde. Man hat Wochen lang geprobt, das Team ist von 20 Personen auf einen verbleibenden Schauspieler geschrumpft. So stehen sie dann vor dem Publikum, der Autor, der sein eigener Regisseur ist, und der alleingelassene Darsteller von über 450 Figuren in diesem Afrika-Monster-Trip. Und sie zeigen den verzweifelten Kampf des Theaters um die Darstellung von Elend, Unterdrückung, Ausbeutung und Machtlosigkeit.

"Was willst du sagen über einen Haufen Scheiße!", schreit der bald schon nackte Hauptdarsteller. Und versucht es dennoch. Mit "Abendstimmung Afrika Digitalprint" haben Léon Engler und Michael Schlecht ihre vierte Arbeit für die Drachengasse realisiert.

Entstanden ist eine wilde und trashige Satire über die endlose "Liste der Ungerechtigkeiten" und unsere unstillbare Gier nach jedem nur denkbaren "Haufen Scheiße", um überhaupt noch Geschichten erzählen zu können.

"Vielleicht sollten wir keine Theaterstücke über das Elend von anderen machen", resignieren Neuner und Lüps nach knapp 90 überbordenden, bitterbösen, bild- und phrasenstarken Theaterminuten. Heiß ist es geworden im "großen" Saal. Erleichtert und ob der Ehrlichkeit und Selbstironie dieses gelungenen Versuchs über das Scheitern des Scheiterns auch verdient starker Applaus.

wienerzeitung.at, 10.5.2018

Der Versuch, als Weiße „das totale Bild“ der Ausbeutung Afrikas im Theater zu zeigen, muss scheitern. Das wissen auch Malibu Diaries. Mit ihrem Stück schicken sie sich an, dies Scheitern wortgewandt und voller radikalem Furor zu rechtfertigen. Das scheitert aber selbst, weil eben alles nur ein Theaterstück ist. In diesem ziehen ein cholerischer Autor (Gottfried Neuner brilliert als #MeToo-Zampano) und sein letzter verbliebener Schauspieler (dauerempört: Luis Lüps) einander so lange den argumentativen Boden unter den Füßen weg, bis nur noch Selbstmord durch Anzünden möglich scheint. Es bleiben zu lassen, wäre freilich auch eine Option gewesen.

falter.at, 15.5.2018

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