SCHNEESTAD

  • Schräge Weihnachten
  • Bar&Co
  • 13., 19. und 20. Dezember 2010 um 20 Uhr
Es gibt tatsächlich Menschen, die Weihnachtsfeste veranstalten. Ist das komisch!, hat sich schon Gustave Flaubert gewundert. Was würde er wohl vom heutigen Weihnachtswahn(sinn) halten, der uns alle Jahre wieder auf Trab hält. Von wegen Fest der Liebe und Besinnlichkeit! Oft verkehrt sich Weihnachten ins glatte Gegenteil und nur allzu schnell geht im Weihnachtsstress einiges schief: Vorweihnachtseinkäufe in überfüllten Innenstädten, Verwandtenbesuche und Völlerei, Ärger mit der Tanne und Riesenzoff in der zum Gänsebraten zwangsvereinigten Großfamilie – das alles lassen wir über uns ergehen und freuen uns schon auf die Ruhe nach den Feiertagen – bis August, wenn die ersten Lebkuchen und Spekulatiusplätzchen wieder im Supermarkt zu kaufen sind … Schnell also kann Jesu Geburtstag zum Stressfest Nummer eins verkommen, bricht der Weihnachtsalltag wie eine Bombe in unser festlich geschmücktes Wohnzimmer. Wie lässt sich trotzdem das Beste aus den Festtagen machen?

Dieser Abend voll witziger und schräger, hinterhältiger und skurriler weihnachtlicher Gedichte, Geschichten und Lieder von Robert Gernhardt über Loriot bis Heinz Erhardt und Ingrid Noll zeigt Ihnen, wie man Weihnachten feiern kann und trotzdem glücklich ist.

hubertwolf.at

Besinnlichkeit im Festtagschaos Jedes Jahr dasselbe: Kitschig strahlt die Weihnachtsbeleuchtung über den Straßen, hallt in den Kaufhäusern seichte Festtagsmusik – doch besinnliche Stimmung stellt sich trotzdem keine ein. Dramaturg Hans Mrak und die Schauspieler Dunja Sowinetz und Hubert Wolf haben die Unzulänglichkeit klassischer Adventsgeschichten in Zeiten des urbanen Vorweihnachts-Chaos erkannt und ihren Gegenvorschlag in der Bar & Co des Theaters Drachengasse auf die Bühne gebracht. Entstanden ist "Schnee stad – Schräge Weihnachten", ein kleiner, vielfältiger Abend mit Liedern (untermalt von Jazzpianistin Philippine Duchateau), Gedichten und Geschichten von Tucholsky bis Loriot. Immer wieder rezitieren die Darsteller Texte (von Ingrid Noll über Bertolt Brecht hin zu Peter Handke), die die Geschichte der Geburt Christi auf ihre jeweils ganz eigene Weise deuten – und damit demonstrieren, dass Glaube und Weltanschauung oft weniger mit dem Was als mit dem Wie zu tun haben. Schwarzer Humor wechselt sich dabei mit nachdenklichem Ernst ab: Ein Höhepunkt, wenn Wolf zwischen lustigen Liedern und Gedichten plötzlich Mascha Kalékos "Lediger Herr am 24. Dezember" auf ganz wunderbar unsentimentale und dabei unverhofft bewegende Weise spricht. Schön, wenn es mehr solcher Kontraste gegeben hätte, denn die (politische) Brisanz einiger ausgewählter Texte ging im liebenswerten, aber oft eine Spur ins allzu Heitere gleitenden Vortragsstil Sowinetz’ unter. So blieb "Schneestad" unterm Strich nicht mehr als ein aufbauendes Vorweihnachtsprogramm für den festtagsgeplagten Großstädter – aber das wiederum auf charmante und gelungene Weise. Das vergnügte Premierenpublikum erklatschte sich zwei Zugaben. WIENER ZEITUNG, 15.12.2010

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