SCHNEESTAD
- Schräge Weihnachten
- Bar&Co
- 13., 19. und 20. Dezember 2010 um 20 Uhr
Dieser Abend voll witziger und schräger, hinterhältiger und skurriler weihnachtlicher Gedichte, Geschichten und Lieder von Robert Gernhardt über Loriot bis Heinz Erhardt und Ingrid Noll zeigt Ihnen, wie man Weihnachten feiern kann und trotzdem glücklich ist.
Besinnlichkeit im Festtagschaos
Jedes Jahr dasselbe: Kitschig strahlt die Weihnachtsbeleuchtung über den Straßen, hallt in den Kaufhäusern seichte Festtagsmusik – doch besinnliche Stimmung stellt sich trotzdem keine ein. Dramaturg Hans Mrak und die Schauspieler Dunja Sowinetz und Hubert Wolf haben die Unzulänglichkeit klassischer Adventsgeschichten in Zeiten des urbanen Vorweihnachts-Chaos erkannt und ihren Gegenvorschlag in der Bar & Co des Theaters Drachengasse auf die Bühne gebracht.
Entstanden ist "Schnee stad – Schräge Weihnachten", ein kleiner, vielfältiger Abend mit Liedern (untermalt von Jazzpianistin Philippine Duchateau), Gedichten und Geschichten von Tucholsky bis Loriot.
Immer wieder rezitieren die Darsteller Texte (von Ingrid Noll über Bertolt Brecht hin zu Peter Handke), die die Geschichte der Geburt Christi auf ihre jeweils ganz eigene Weise deuten – und damit demonstrieren, dass Glaube und Weltanschauung oft weniger mit dem Was als mit dem Wie zu tun haben. Schwarzer Humor wechselt sich dabei mit nachdenklichem Ernst ab: Ein Höhepunkt, wenn Wolf zwischen lustigen Liedern und Gedichten plötzlich Mascha Kalékos "Lediger Herr am 24. Dezember" auf ganz wunderbar unsentimentale und dabei unverhofft bewegende Weise spricht.
Schön, wenn es mehr solcher Kontraste gegeben hätte, denn die (politische) Brisanz einiger ausgewählter Texte ging im liebenswerten, aber oft eine Spur ins allzu Heitere gleitenden Vortragsstil Sowinetz’ unter. So blieb "Schneestad" unterm Strich nicht mehr als ein aufbauendes Vorweihnachtsprogramm für den festtagsgeplagten Großstädter – aber das wiederum auf charmante und gelungene Weise. Das vergnügte Premierenpublikum erklatschte sich zwei Zugaben.
WIENER ZEITUNG, 15.12.2010