DER KAKTUS

  • Juli Zeh
  • Theater Drachengasse
  • 7. März – 9. April 2011, Di-Sa um 20 Uhr
Eigenproduktion Theater Drachengasse



Für Sie
Im Rahmen der Aktionswoche 100. FRAUENTAG erhält jede Frau für die Vorstellung am 15.3.2011 eine Halbpreiskarte um € 8.




Dürrmann von der Antiterroreinheit GSG-9 gelingt ein großer Coup. Gemeinsam mit Streifenpolizist Cem schnappt er Carnegiae Gigantae, einen international gesuchten Terroristen. Wie aber den großen Fang zum Reden bringen?

Dass der Gefährder Wasser ablehnt, sich partout nicht setzen und einfach den Mund nicht aufmachen will, mag daran liegen, dass der Verdächtige ein mannshoher Kaktus ist. Im Eifer des Erfolgsgefechts erkennen das aber weder Dürrmann noch Cem, ebenso wenig wie Polizeianwärterin Susi oder Dr. Schmidt vom Bundeskriminalamt. Weshalb auch weder ein Gespräch von Kanacke zu Kanacke mit dem aus der Türkei stammenden Cem noch die von Dr. Schmidt angedrohte Folter etwas fruchten.


Dass der stachelige Genosse der gesuchte Al Kaida-Mann ist, bleibt aber außer Zweifel. Denn:

die Harmlosen sind immer die Schlimmsten, und ohne Intuition geht bei der Polizeiarbeit gar nichts.

Ein zum Brüllen komisches Spiel mit der Terrorgefahr Da ist dem GSG-9- Mann ein großer Fang geglückt. Einer der gefährlichsten Terroristen konnte dank des beherzten Einsatzes des coolen Elite-Kämpfers Dürrmann dingfest gemacht werden. Nun gilt es, den Feind zum Reden zu bringen. Ein Unterfangen, das aber gar nicht so einfach ist. Denn erstens stehen Dürrheim der etwas unbedarfte Polizist Cem, die politisch viel zu korrekte Polizeianwärterin Susi sowie der abgebrühte BKA Mann Dr. Schmidt im Weg. Und zweitens ist der Terrorist ein mannshoher Kaktus, der partout nicht den Mund aufmachen will. Das ist die Ausgangssituation von Juli Zehs herrlich überdrehter Terror-Farce ,,Der Kaktus", die Regisseurin Christine Wipplinger im Wiener Theater Drachengasse (noch bis 9. April) brillant in Szene gesetzt hat. Wipplinger setzt in der spartanischen Ausstattung von Gerti Rindler-Schanti auf hohes Tempo, großartigen Irrwitz, eine schöne Prise Slapstick und auf punktgenaues Timing. Es darf herzhaft gelacht werden über den Kampf gegen den Terrorismus, dessen teils menschenverachtende Mechanismen Autorin Zeh entlarvt. Vom Klebeband über methodische Folter bis Guantanamo oder Fotos in Abu Ghraib - Wipplinger sorgt aller Komik zum Trotz auch für die passenden Assoziationen. Gespielt wird exzellent: Clemens Matzka als Prototyp eines tumben Kämpfers, Deniz Cooper als bravourös- überforderter Cem, Lisa Sexl als wackere Susi und Horst Heiß als BKA Ideologe sorgen für Lachsalven.Toll. KURIER, 10.März 2011

Gefangene der Angst ohne Menschenverstand Zwei Männer, ein Streifenpolizist und ein Angehöriger einer Antiterroreinheit, haben einen großen Fang gemacht: einen international gesuchten Terroristen. Sie bringen ihren Gefangenen in einen Raum des Polizeigebäudes und beginnen ihn zu befragen. Doch er antwortet nicht. Kein Wunder, die beiden haben nämlich eine "Kleinigkeit" übersehen: Was sie hier so mühevoll und triumphierend anschleppen, ist ein riesiger Kaktus. "Der Kaktus" heißt so auch die irrwitzige Komödie der deutschen Schriftstellerin Juli Zeh (geboren 1974 in Bonn). "Ich spreche nur eine Sprache: meine!" ist das Motto der diesjährigen Eigenproduktionen im Theater Drachengasse und das Stück passt perfekt dazu: Menschen sehen alles nur aus dem eigenen beschränkten Blickwinkel und so ist es leicht, ihre Ängste zu schüren, sie zu Gefangenen der Angst zu machen, die völlig irrational handeln. Sie bekämpfen, was sie nicht kennen, ihr gesunder Menschenverstand ist ihnen abhanden gekommen, ihre Urteilskraft ist gleich null. Schonungslos demaskiert Christine Wipplinger erarbeitete mit einem exzellenten Darstellerquartett (Deniz Cooper, Horst Heiss, Clemens Matzka, Lisa Sexl) eine hinreißend schräge Aufführung, die den Wahnsinn rund um uns schonungslos demaskiert. Die Ausstattung von Gerti Rindler-Schantl trägt zur Wirkung des Abends ebenso bei wie die Musik von Fritz Rainer. Entfesseltes, heutiges Theater. WIENER ZEITUNG, 9. März 2011

Die gepflanzte Polizei Juli Zehs Anti-Terror-Groteske "Der Kaktus" operiert mit Polizei-Klischees - Im Theater Drachengasse wird ein Amtszimmer zum Panik-Schauplatz Gemeinsam mit Ilija Trojanow hat die deutsche Schriftstellerin Juli Zeh vor zwei Jahren ein viel beachtetes Pamphlet gegen die Zumutungen des Überwachungsstaates geschrieben (Angriff auf die Freiheit, Hanser 2009). Als Draufgabe erschien ein Theaterstück, in dem eine Polizeistube zum Schauplatz der aus dem Ruder laufenden Terrorbekämpfung wird. Nach der österreichischen Erstaufführung am Phönix-Theater Linz im Jänner sowie einer Inszenierung in Tirol hat sich jetzt auch das Theater Drachengasse mit einschlägigen Uniformen ausgestattet. Helm, Schlagstock und kugelsichere Weste, die Grundausstattung der deutschen Antiterroreinheit GSG 9 (früher Grenzschutzgruppe) sitzt perfekt, wenn der Sicherheitsbeamte Jochen Dürrmann (Clemens Matzka) mit dem Streifenpolizisten Cem (Deniz Cooper) einen Terrorverdächtigen in das Amtszimmer schleppt. Dieser stammt aus Kalifornien, ging in einer Blumenhandlung jüngst noch einer geregelten Arbeit nach und ist seines Zeichens nichts anderes als ein gewöhnlicher Kaktus. Mit ihm und seinen erhobenen Kaktusarmen gibt Juli Zeh die boulevardeske Antwort auf die ideologisch übersteuerten Sicherheitsmaßnahmen westlicher Industriestaaten. Dass man mit dieser Sukkulente Arabisch spricht, versteht sich von selbst. Der Kaktus, 2009 uraufgeführt am Münchner Volkstheater, ist properes Komödienmaterial, das in Sprache und Figurenzeichnung mit Klischees operiert. Christine Wipplingers Inszenierung im Theater Drachengasse changiert zwischen MA 2412-Ulk und musikalisch aufgepepptem Fantasy-Kammerspiel (Musik: Fritz Rainer). Die Polizei-Knallchargen vom Dienst (weiters: Horst Heiss und Lisa Sexl) haben zumindest alle ihre gut ausgearbeiteten Handlungsmotive, die sie mit lustigen, großen Gesten und energetischem Körperspiel bis zum letzten Gefecht verteidigen. An alle Eliteeinheiten: Achtung, es ist nur Theater! DER STANDARD, 9. März 2011

Eine Pflanze unter Terrorverdacht Der Verdächtige in Juli Zehs Stück „Der Kaktus“ ist tatsächlich ein Kaktus. Er hält freiwillig die Arme oben, ohne dass der von sich überzeugte Dürrmann von der Antiterroreinheit (Clemens Matzka) oder der naive Polizeianfänger Cem (Deniz Cooper) ihn darum gebeten hätten. Dass der Kaktus beim Verhör im mit Teppichboden ausgelegten Zimmer nichts sagt, macht ihn nur noch verdächtiger. Zehs Text zeigt die Absurdität im Umgang mit der herrschenden Terrorangst auf, Christine Wipplingers slapstickhafte Inszenierung der Farce unterstreicht das durch pathetische Musikunterlegung (Fritz Rainer) wie aus dem Hollywoodkino und schafft es, die Ironie rund um einen Terrorverdächtigen, der sogar unter Folter eisern schweigt, aufrechtzuerhalten. FALTER, 16.3.2011

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