TÖCHTER UND SÖHNE

  • NACHWUCHS-THEATER-WETTBEWERB 2011
  • TÖCHTER UND SÖHNE – DAS FINALE
    23. Mai – 11. Juni 2011, Di-Sa um 20 Uhr in Bar&Co

    SHOWCASES
    4. und 11. Juni 2011, Beginn jeweils um 16 Uhr in Bar&Co

    ROUND-TABLE-GESPRÄCH: BRIEF AN DEN VATER HEUTE
    10. Juni 2011, 16-18 Uhr im Theater Drachengasse
Ab 23. Mai 2011 findet das Finale des Nachwuchs-Theater-Wettbewerbs 2011 statt.
Zum Thema Töchter und Söhne wurden 48 Projekte eingereicht. Unsere Auswahl fiel auf drei Projekte, deren inhaltlicher und formal-ästhetischer Zugang zum Thema uns am interessantesten und vielversprechendsten erschien.

Die drei FinalistInnen präsentieren ihre 20-Minuten-Projekte ab 23. Mai 2011 in einer dreiwöchigen Spielserie.

Das Theater Drachengasse vergibt zwei Preise zu je € 1000:
- den Publikumspreis, den die Zuschauer durch Abstimmung vergeben – jede Eintrittskarte berechtigt zur Abgabe einer Stimme.
- den Jurypreis, der von einer Fachjury vergeben wird. Die Fachjury besteht heuer aus Laurence Chimel (Compagnie à Bulles Paris), Henning Fülle (Transkultur Berlin) und Thomas Frank (brut Wien).

Die Bekanntgabe der Preisträger erfolgt am 11. Juni 2011 im Anschluss an die letzte Vorstellung.


Da von vielen Gruppen der Wunsch geäußert wurde, ihr Projekt auf jeden Fall weiterzuentwickeln, haben wir wieder Showcase-Termine eingerichtet, bei denen alle Gruppen, die Lust dazu haben, die Gelegenheit haben, ihr 20-Minuten-Projekt zu zeigen.


DIE FINALISTINNEN

TRAUM(A) IN ROSA – OR: MY GRANDMOTHER OLD ROSE

EINE TANZ THEATER PERFORMANCE
PERFORMANCEGRUPPE ROSIDANT
IDEE, KONZEPT, TEXTE: ROSIDANT REGIE: LAURA NÖBAUER DRAMATURGIE: LISA WEISS CHOREOGRAPHIE: KERSTIN OLIVIA SCHELLANDER AUDIO, BÜHNENBILD: ROSIDANT PERFORMERINNEN: SUSANNE FOISNER, ANGELA ROTTENSTEINER STIMMEN: ADELHEID REISINGER, BERTA FOISNER WWW.ROSIDANT.WORDPRESS.COM


TADSCHIKISTAN
GRUPPE KOMMENTAR 2
TEXT, REGIE: ALEXANDER MEDEM, YAEL SALOMONOWITZ
ES SPIELEN: CORA JEANNEE, OTTWALD JOHN, JULIAN SHARP, KLAUS UHLICH
TON: GEORG BLUME


OUTPERFORM YOURSELF: TRETEN SIE SICH EIN
GRUPPE BUREAU
TEXT: ANNA GSCHNITZER REGIE: MARIE BUES AUSSTATTUNG: ELISABETH VOGETSEDER ES SPIELEN: KATHARINA BEHRENS, MONIKA WIEDEMER





LA ROUTE DU FILS
ROUND-TABLE-GESPRÄCH: BRIEF AN DEN VATER HEUTE

IN KOOPERATION MIT DEM THEATERVEREIN WIEN

10. JUNI 2011, 16-18 UHR, THEATER DRACHENGASSE

Der Nachwuchswettbewerb Töchter und Söhne ist Teil des EU-Projektes La Route du Fils, an dem folgende Institutionen teilnehmen: Compagnie à Bulles Paris, Maison de l’Europe Paris, Franz-Kafka-Gesellschaft Prag, Transkultur Berlin, Theater Drachengasse Wien.
Es wird mit Unterstützung der Europäischen Kommission finanziert.*

Zum Thema Brief an den Vater heute findet am 10. Juni 2011 ein Round-Table-Gespräch mit den Wettbewerbs-FinalistInnen und den Route du Fils-TeilnehmerInnen statt.
Impulsreferate: Mag. Dr. Angela Heide, Dr. Sonja Neulinger

Wir danken für die Unterstützung:
GD Bildung und Kultur - Programm für lebenslanges Lernen, Östig, Theaterverein Wien Kuratoren, SYN



*) Die Verantwortung für den Inhalt dieser Veröffentlichung trägt allein der Verfasser; die Kommission haftet nicht für die weitere Verwendung der darin enthaltenen Angaben.

Vom Terror der Alten und der Hektik der Jungen Auch heuer findet im Theater Drachengasse wieder der Nachwuchswettbewerb – diesmal als Teil eines EU-Projektes – statt. Thema: "Töchter und Söhne"; Ausgangsmaterial: Franz Kafkas "Brief an den Vater". Aus 48 Einsendungen wurden drei ausgewählt, die nun drei Wochen lang auf dem Programm des Hauses stehen und um den Jury- beziehungsweise den Publikumspreis kämpfen. Die Reihenfolge der Kurzstücke ist sehr gut gewählt. In "Traum(a) in Rosa or: My Grandmother Old Rose" geht es um eine sich dauernd per Telefon einmischende Großmutter, die ihrer Enkelin beibringen will, wie eine Frau – ihren Vorstellungen gemäß – zu sein hat. Und so sieht sich die junge Frau, völlig verwirrt, bald ihrem – in kitschiges Rosa gekleideten – Alter Ego gegenüber. Die Gruppe Rosidant liefert mit Susanne Foisner und Angelika Rottensteiner eine spannende Tanz-Theater-Performance. Leere Betriebsamkeit In "Tadschikistan": Zwei unbedeutende Väter stehen zwei unbedeutenden Kindern gegenüber. Auseinandersetzung findet nicht mehr statt, man ergeht sich in landläufigen Floskeln. Den Höhepunkt bildet "Outperform Yourself: Treten Sie sich ein". Die Alten sind nicht mehr präsent, die völlig alleingelassenen Jungen kämpfen gegen "Windmühlen". In einem schauspielerischen Furioso zeigen Katharina Behrens und Monika Wiedemer die ins Leere gehende Betriebsamkeit von Orientierungslosen. Die Gruppe Bureau präsentiert hier Vorzügliches. WIENER ZEITUNG, 25.5.2011

Verkopft, dokumentarisch und selbstironisch Drei Stücke zum Thema „ Töchter & Söhne“ im Wiener Theater Drachengasse Konsequent fördert das Theater Drachengasse junge Talente. Und zwar mit dem hauseigenen Nachwuchstheaterwettbewerb, der heuer unter dem Motto „Töchter & Söhne“ stand. 48 Projekte wurden eingereicht. Drei Gruppen schafften das Finale und zeigen bis 11. Juni in der Bar etwa 20-minütige Auszüge aus ihren Arbeiten. Die könnten unterschiedlicher kaum sein. So versucht sich die Performancegruppe Rosidant unter dem Titel „Traum(a) in Rosa – or: My Grandmother Old Rose“ an einer teils dem Tanztheater angenäherten Abrechnung mit weiblichen Rollen-Klischees. Trotz des hohen Körpereinsatzes der Performerinnen Angela Rottensteiner und Susanne Foisner sowie der Verwendung vieler, von der Decke hängender Requisiten hinterlässt dieses verkopfte und unfassbar ermüdende Frauenporträt vor allem Ratlosigkeit. Weit klassischer gibt sich die Gruppe Kommentar 2: Unter dem Titel „Tadschikistan“ wird der Konflikt zwischen zwei Vätern und ihren Kindern beleuchtet. Was ist Glück? Was habe ich falsch gemacht? Was will ich erreichen? Was habe ich erreicht? In semi-dokumentarischer Interviewform setzen sich die Generationen mit Träumen, Hoffnungen und Ängsten auseinander. Alexander Medem und Yael Salomonowitz haben den Text verfasst und zeigen, dass wir in einer Welt von Floskeln leben. Na gut. Furios Die mit Abstand stärkste Darbietung aber liefert die Gruppe Bureau mit „Outperform Yourself: Treten Sie Sich Ein“ ab. Autorin Anna Gschnitzer, Regisseurin Marie Bues und die Schauspielerinnen Katharina Behrens und Monika Wiedemer haben hier Anleihen beim Stakkato-Theater eines René Pollesch genommen. In rasanten Wortkaskaden wird das Theater selbst zum Spielball umfunktioniert. Da fliegen die Regie-Anweisungen herum, da werden Themen angerissen, weggeworfen und wieder aufgenommen, da wird heftig mit dem Publikum kokettiert. Das hat Tempo, Kraft, Witz und viel Selbstironie. So wie Theater auch sein soll. KURIER, 26.5.2011

Der gute alte Generationskonflikt Das Finale des Theaterwettbewerbs "Töchter und Söhne" in der Drachengasse Wien - Sie kommen, um sich zu beschweren: Töchter und Söhne wurden vom Theater Drachengasse im Rahmen des Nachwuchs-Theater-Wettbewerbs 2011 eingeladen, sich an ihren Altvorderen abzuarbeiten. Franz Kafkas Brief an den Vater sollte dabei als Ausgangspunkt für jeweils zwanzigminütige Arbeiten dienen. Die drei sehr unterschiedlichen ins Finale eingezogenen Projekte zeigen, dass das Nörgeln über eine andere Generation auch für die vermeintlich konfliktscheuen Jahrgänge keine schwere Übung ist. Nun dürfen sie 16 Abende lang um die Gunst von Fachjury und Publikum spielen. Auffällig ist dabei, dass Kafkas Text letztlich kaum von Bedeutung ist, die persönliche Lebensrealität der Auftretenden dafür umso mehr im Vordergrund steht. Die Schlagworte lauten hier Schauspielschule und Prekariat. Wer einen Einblick bezüglich der gerade erst infrage gestellten Generation Praktikum möchte, dem genügt ein Blick auf die Lebensläufe des Theaternachwuchses. Die den Abend eröffnende Performancegruppe Rosidant stellt ins Zentrum ihrer Arbeit die alte Tante, pardon: Oma, Gender. Traum(a) in Rosa - or: My Grandmother Old Rose zeigt eine junge Frau, die sich mit Erwartungen ihrer Großmutter bezüglich Geschlechterrollen nicht anfreunden kann. Ihr zuckerlrosa Mädchen-Ich sorgt für Radau, der Zuschauer lernt, dass alte Schlagertexte eher wertkonservativ sind. Die Gruppe Kommentar 2 bedient sich konventionellerer Mittel, wenn sie in dem Generationsreigen Tadschikistan zwei Jungmenschen und deren Väter Lebensanschauungen ausdiskutieren lässt. Der Geist der Prager Dohle ist hier am deutlichsten zu spüren. Der Liebling des Premierenpublikums war indessen die Gruppe Bureau mit ihrem Hochgeschwindigkeitsritt Outperform Yourself: Treten Sie Sich Ein. In seiner jugendlichen Zügellosigkeit macht der von einem Schauspielerinnendoppel vorgetragene Text viel Spaß. Wie viel Sinn tatsächlich dahinter steckt, lässt sich vielleicht am 10. Juni eruieren, wenn sich alle zu einem Round-Table-Gespräch treffen. DER STANDARD, 27.5.2011

Töchter & Söhne – Das Finale Töchter & Söhne ist ein vom Theater Drachengasse initiierter Nachwuchs-Theater-Wettbewerb, der diesmal das Thema „Generationskonflikt“ unter der literarischen Vorlage von Kafkas „Brief an den Vater“ in den thematischen Mittelpunkt stellt. Aus 48 Projektvorschlägen wurden die vielversprechendsten Drei ausgewählt und im Rahmen der Premiere dem Publikum präsentiert, das neben dem Jurypreis den ebenfalls mit EUR 1.000 dotierten Publikumspreis per Voting bis 11. Juni 2011 zu vergeben hat. Die jeweils 20minütigen Projekte sind: TRAUM(A) IN ROSA – OR: MY GRANDMOTHER OLD ROSE EINE TANZ THEATER PERFORMANCE der Gruppe Rosidant, performed by Susanne Foisner und Angela Rottensteiner „Eine Frau soll hübsch sein, gepflegt sein und intelligent sein, sagt meine Oma. Und immer fröhlich sein muss sie, sagt meine Oma auch. Meine Oma weiß nicht was Antiheteronormativität ist.“ Wer diese Wortkonstruktion – wie ich – bisher noch nicht kannte: Antiheteronormativität ist eine Initiative, die sich dagegen richtet, dass die herrschende Mehrheit (Heterosexuelle) die Norm für die Normalität vorgeben, und will Andersgesinnten die Freiheit zur Entfaltung ihrer Ansicht bzw. Lebensweise einräumen. Soweit, so gut. Im Stück geht es natürlich ganz anders her: die Hauptprotagonistin ist eine moderne erwachsene Frau, die unter den Anrufen ihrer Oma, die aus dem Anrufbeantworter zu hören sind, leidet. Diese konfrontiert sie nämlich in (groß)mütterlicher Manier mit althergebrachten Klischees am Fließband in Bezug auf Arbeit, Mann, Heiraten usw. Ihre Qualen werden von der zweiten Darstellerin als „Trauma in Rosa“ verkörpert, die an die kleine Regan aus „Der Exorzist“ in einem rosa Tütü erinnert. Sie tritt auf und lebt ihre Emotionen wild und ungebändigt aus, bis sie wieder Frauenstereotype aus einer rosa Strumpfhose in einer Art „Brainwashing“ in ihren Kopf lädt… All das gewürzt mit expressiver Tanzperformance und Oma’s Stimme im Hintergrund – einfach fabelhaft! (Und jeder Frau wird’s in Erinnerung an die eigene Familiengeschichte leicht die Gänsehaut im Nacken aufstellen) TADSCHIKISTAN Von der Gruppe Kommentar 2 Dieses Stück zeigt die Generationen in Kommunikation: Vater/Tochter, Vater/Sohn und die Kinder, die in Beziehung miteinander stehen. Bezeichnend sind die Unterschiede zwischen Gesagtem und der echten inneren Einstellung, die im Eltern-Kind-Dialog so oft zu Problemen führen: Eltern, die Fragen stellen, aber sich nur mit einer bestimmten Antwort zufrieden geben. Die Freiheit suggerieren wollen, aber gleichzeitig den Weg und das Leben ihrer Nachkommen nur in einer, ihrer eigenen, Art und Weise gutheißen. Auf der anderen Seite keimt Aggression, die keiner zeigen will, unterdrückt aber nur noch stärker wird…ein Hohelied auf die gewaltfreie Kommunikation. Interessanter Ansatz, der dem Zuschauer ebenfalls unter die Haut geht, mit besonderer einfühlsamer, schauspielerischer Leistung von Julian Sharp. OUTPERFORM YOURSELF: TRETEN SIE SICH EIN Von der Gruppe Bureau „Auf der Suche nach einer väterlichen Angriffsfläche werden wir zu käuflichen Klischees, zu Konsumenten unseres eigenen Widerstands. Outperform Yourself: Treten Sie sich ein ist ein Stück über die (Un-)Möglichkeiten, aus dieser Wiederverwertungskette auszubrechen.“ Aha, die Väter sind’s also wieder einmal gewesen. Mehr kann ich Ihnen leider auch nicht sagen. Diese Darstellung lebt nämlich allein von der schauspielerischen Leistung der beiden Protagonistinnen und dem Überraschungseffekt. Inhaltlich sind für den Zuschauer keine (!) Zusammenhänge zum gestellten Thema zu erkennen, was das Stück leider auf eine Selbstdarstellungscomedy der beiden reduziert…oder etwas ganz Tolles, Avantgardistisches daraus werden lässt, das keiner wirklich versteht. Wer sowas also sehen will – voilà. kulturfokus.at

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